Mittlerweile hat fast jedes öffentlich-getragene Theater eine Facebook-Seite und bespielt diese auch regelmäßig. Die Anzahl an Fans liegt im Schnitt bei 3.200. Viele Theater veröffentlichen etwa fünf Beiträge pro Woche, die durchschnittlich von je 16 Fans „geliket“ werden.

Soweit so gut. Die Liste der Theater inklusive aller statistisch erfassten Zahlen der Erhebung und Links zu den Facebook-Seiten (21./22.02.2014) könnt ihr euch hier als Excel-Datei herunterladen . Es ist fast dieselbe, wie sie auch der Deutsche Bühnenverein für seine Theaterstatistik verwendet. Eine 1:1-Übernahme erschien mir in ein paar Fällen nicht sinnvoll. In der Theaterstatistik wird das Staatstheater Stuttgart beispielsweise als eine Institution erfasst, auf Facebook hat jedoch jede einzelne Sparte eine Seite. In solchen Fällen habe ich mich deshalb für eine stärke Differenzierung entschieden.
Vielerorts gibt es vom „Jungen Theater“ eine eigene Facebook-Seite. Diese und weitere Seiten habe ich allerdings nicht einbezogen. Außen vor habe ich auch Seiten gelassen, die 2014 noch nicht aktualisiert worden sind. Auch wenn sie jederzeit reanimiert werden können, betrachte ich sie als vorübergehend tot.

10 Posts in 13 Tagen

Das schöne am Internet ist, dass man Inhalte veröffentlichen kann, wann man will. Deshalb denke ich, dass man immer dann was auf Facebook posten sollte, wenn man was zu sagen hat. Trotzdem macht es Sinn, einen Redaktionsplan zu erstellen und einen gewissen Rhythmus zu haben. Meines Erachtens sind fünf Posts +/- 3 pro Woche für ein Theater ein schöner Richtwert. In der Erhebung habe ich mir angeschaut, in welchem Zeitraum die letzten zehn Posts veröffentlicht wurden. Der Mittelwert liegt bei 21 Tagen, was unter anderem am Theater Naumburg liegt, das für seine letzten zehn Beiträge 248 Tagen benötigt hat. Zwar gibt es andererseits „Vielveröffentlicher“ (man könnte sie auch als Spammer bezeichnen), wie beispielsweise das Badische Staatstheater, das aufgrund der Eröffnung der Händel-Festspiele zehn Posts in zwei Tagen abgesetzt hat, doch sind die Extreme nach unten wesentlich größer. Der Median bildet daher in diesem Fall meines Erachtens einen „repräsentativeren“ Wert: er liegt bei zehn Posts in 13 Tagen – quasi meine Empfehlung. :-)

Unnütze Statistik: Theater mit den meisten Facebook-Fans

Viele Leute begeistern sich für große Zahlen. Ich halte die Top 10 der Theater mit den meisten Facebook-Fans hingegen für wenig aussagekräftig, denn sie enthält kaum eine qualitative Aussage. Ob man vorne mit dabei ist, hängt von einer Vielzahl anderer Gründe ab, z.B. der Größe und des Renommees des Theaters, der Größe der Stadt, seit wann es die Facebook-Seite gibt und wie sie beworben wurde. Dass die „Neue Bühne Senftenberg“ nicht so viel Fans wie die Bayerische Staatsoper hat, dürfte jedem klar sein. Doch was sagt das aus??? Nichtsdestotrotz hier die Top 10 (gerundet auf 100 Fans):

  1. Bayerische Staatsoper in München: 19.900 Fans
  2. Friedrichstadtpalast in Berlin: 16.800 Fans
  3. Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin: 13.400 Fans
  4. Deutsche Oper in Berlin: 12.800 Fans
  5. Thalia Theater Hamburg: 12.000 Fans
  6. Staatsballett in Berlin: 11.400 Fans
  7. Maxim Gorki Theater in Berlin: 10.500 Fans
  8. Deutsches Schauspielhaus in Hamburg: 10.100 Fans
  9. Schauspielhaus Bochum: 9.400 Fans
  10. Stuttgarter Ballett: 9.000 Fans

Wie eingangs schon gesagt, liegt der Mittelwert bei 3.200 Fans, schwankt aber ähnlich wie die Veröffentlichungsfrequenz stark (das Erzgebirgische Theater hat nur etwa 100 Fans). Der Median liegt bei 2.200 Fans.

Zweite unnütze Statistik: Likes pro Post ( LpP)

Wer viele Fans hat, kann auch mehr Likes generieren. Aus selbigem Grund halte ich auch das nachfolgende Ranking – das mit obigem korreliert – für weitgehend überflüssig. Ich benötige es aber, da man sonst die tatsächlich interessante dritte Statistik nicht versteht. Deshalb hier die durchschnittliche Anzahl an Likes pro Post (ausgewertet wurden die letzten zehn veröffentlichten Posts):

  1. Friedrichstadtpalast in Berlin: 194 LpP
  2. Bayerische Staatsoper in München: 131 LpP
  3. Staatsballett in Berlin: 93 LpP
  4. Stuttgarter Ballett: 60 LpP
  5. Residenztheater (Bayerisches Staatsschauspiel in München): 51 LpP
  6. Oper Stuttgart: 46 LpP
  7. Deutsche Oper in Berlin: 40 LpP
  8. Oper Leipzig: 39 LpP
  9. Aalto Ballett Essen: 39 LpP
  10. Sächsische Staatsoper in Dresden: 34 LpP

Überraschend ist, dass das Aalto Ballett Essen auf Rang 9 liegt. Beim Fan-Ranking rangiert es mit seinen 2.200 Fans nur auf Platz 65. Gut schlagen sich in der Hinsicht auch die Oper Leipzig (4200 Fans, Platz 30) und die Oper Stuttgart (4.600 Fans, Platz 27).

„Like-Quotient“: Likes pro Posts pro Anzahl Fans

Die alte 90-9-1-Regel von Nielsen geht davon aus, dass ein Prozent der Nutzer von Online-Communities zu den „Creators“ gehören, also aktiv Inhalte beisteuern. Bei Facebook kann man schon sehr froh sein, wenn ein Prozent der Fans einen Beitrag „liket“. Interagieren, also Beiträge kommentieren und teilen, tun wesentlich weniger.
Der Prozentsatz der „Liker“ liegt bei Theatern im Schnitt bei 0,7 Prozent. Habe ich also eine Facebook-Seite mit 1.000 Fans und veröffentliche einen Beitrag, klicken im Schnitt sieben Fans auf „Gefällt mir“.
Bei weniger als 1.000 Fans ist die Verzerrungsgefahr u.a. durch „likende“ Theatermitarbeiter relativ hoch. Aus diesem Grund hier die Top 10 der Theater mit dem höchsten „Like-Quotienten“ (LQ) und mehr als 1.000 Fans:

  1. Theater Erfurt: LQ 1,80 (1.500 Fans)
  2. Staatsoperette in Dresden: LQ 1,79 (1.400 Fans)
  3. Aalto Ballett Essen: LQ 1,77 (2.200 Fans)
  4. Nordostoberfränkisches Städtebundtheater in Hof: LQ 1,40 (2.000 Fans)
  5. Landesbühne Niedersachsen-Nord in Wilhelmshaven: LQ 1,40 (1.000 Fans)
  6. Theater Junge Generation in Dresden: LQ 1,38 (1.600 Fans)
  7. TfN-Theater für Niedersachsen in Hildesheim/Hannover: LQ 1,23 (1.300 Fans)
  8. Hans Otto Theater in Potsdam: LQ 1,18 (1.100 Fans)
  9. Uckermärkische Bühnen Schwedt: LQ 1,18 (1.100 Fans)
  10. Friedrichstadtpalast in Berlin: LQ 1,15 (16.800 Fans)

Ohnehin bekommen ja Fans einer Seite nur etwa 15 bis 20 Prozent der Beiträge auf organischem Weg angezeigt. Bei Facebook-Seiten mit mehr als 5.000 Fans, soll die Rate der eingeblendeten Posts noch geringer sein. Insofern verwundern die niedrigen Like-Raten nicht. Als einziger Big Player, der bei den Fanzahlen unter den Top 10 ist, ist beim „Like-Quotient-Ranking“ der Friedrichstadtpalast dabei (hier ein Trailer-Posting, das knapp 1.000 Likes bekommen hat).

Fazit

So viel zur quantitativen Auswertung, die ich als Vorbereitung für die heutige Sendung „Hashtag Kultur“ im WDR 3, zu der ich netterweise eingeladen worden bin, sehe. Ich werde versuchen, mich die Tage noch stärker mit den Inhalten der Theater-Facebook-Seiten auseinandersetzen. Schon jetzt habe ich versucht, Posts mit werblichem Charakter („Es gibt noch Karten für die Aufführung heute! Kommt!“) herauszufiltern, was allerdings schwierig ist, da sich der „werbliche Charakter“ oft nur schwer abgrenzen lässt (Was ist z.B. mit einem Post à la „Hier ein Foto aus der Probe zu XY (Premiere am 1. März).“?). Bei 30 Facebook-Seiten habe ich die letzten zehn Posts ausgewertet. Ergebnis: Über 50 Prozent der Beiträge weisen auf eine konkrete Veranstaltung hin. Häufig werden auch Links zu (positiven) Kritiken gesetzt und Fotos von Inszenierungen veröffentlicht. Vernetzung, im Sinne von Links von anderen Facebook-Seiten teilen, findet hingegen nur sehr, sehr selten bis nie statt.

Update 25.02.2014

Ich habe unglücklicherweise die Facebook-Seite des Thalia Theaters Hamburg mit der des Thalia Theaters aus Halle verwechselt. Was sich dadurch geändert hat: Mit 12.000 Fans hat das Thalia Theater die fünftmeisten Fans und somit die Komische Oper in Berlin (8.400 Fans) aus dem Top-10-Fan-Ranking verdrängt. Die durchschnittliche Anzahl an Facebook-Fans liegt nun bei 3.200 Fans (vorher 3.100), der Median bei 2.200 Fans (vorher 2.100). Verschoben hat sich auch der Median der letzten zehn Posts. Da das Thalia Hamburg häufig postet, liegt er nun bei 13 Tagen (vorher 14 Tage). Alle anderen genannten Zahlen sind rundungsbedingt gleich geblieben.

 

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Autor: Axel Kopp

Jahrgang 1982, Online-Redakteur bei der IHK Düsseldorf und Kulturmanager mit Schwerpunkt Online-Marketing

Dieser Beitrag hat 5 Kommentare

  1. avatar
    QWoo

    “Vernetzung, im Sinne von Links von anderen Facebook-Seiten teilen, findet hingegen nur sehr, sehr selten bis nie statt.”

    Das ist doch normal und erwartbar. Warum sollte online etwas geschehen, was IRL auch nicht passiert?

  2. avatar
    Axel Kopp

    Ja, sicherlich könnte die Vernetzung auch im echten Leben noch besser sein. Aber in Social Networks bietet sich Networking ja ganz besonders an.

  3. avatar
    Heinz Koch

    Vielen Dank für die Arbeit, die Du Dir gemacht hast. Mich hat’s interessiert, auch wenn wir als Privatbühne nicht zum von Dir untersuchten Kreis gehören.

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