Die Blogparade „Kultur im Wandel“ ist vorbei, nachfolgend eine Zusammenfassung der elf eingegangenen Beiträge über Flüchtlinge, Integration, politische Kunst und die Aufgaben von Kultureinrichtungen –  in chronologischer Reihenfolge.

Seha Ritters „Ein Tag ohne Türken“
Seha Ritter, selbst in einem türkischen Elternhaus aufgewachsen, zeigt in ihren Comics, wie Kunst zwischen Kulturen vermitteln kann. Das Marta Herford zeigt Arbeiten der Künstlerin vom 4. September bis 6. November im Rahmen der Gruppenausstellung „OWL 4 – Gegenspieler”. Einige Kostproben finden sich bereits im Blogpost des Marta Blogs.

Über Diversität und Toleranz
„‘Neuankömmlingen‘ sollte verständlich gemacht werden, dass es auch hierzulande arme Menschen gibt und Deutschland auch für Deutsche kein Paradies ist (…)“, schreibt Alexandra Klöckner. Sie tritt dafür ein, Flüchtlingen besser die hiesige Kultur zu vermitteln, anstatt „arabisches Gebäck als Willkommensgruß“ zu backen.

Jogi Löw stellt nicht nach Glauben auf
Heinrich R. Bruns nennt mit den drei Brüdern Mojtaba, Masoud und Milad Sadinam, die das Buch „Unerwünscht“ geschrieben haben, ein Best-Practice-Beispiel für gelungene Integration, gibt aber zu Bedenken, dass dies Ausnahmen seien. Statt zu versuchen, Flüchtlinge über Museums- und Theaterbesuche zu integrieren, müsse man beim Kulturwandel wohl „ganz weit unten“ ansetzen: beim Essen sowie „beim Zuhören, aufeinander zugehen“. In Bruns‘ Multimedia-Beitrag kommt auch mehrfach der bayrische Integrationsbeauftragte und CSU-Politiker Martin Neumeyer zu Wort.

Objekte und ihre Erzählungen: Multiperspektivität im Museum
Auf dem Blog des Frankfurter Stadtmuseums berichtet Puneh Henning über das aktuelle Projekt „Sammlung divers. Neu-Sichtung historischer Objekte“. Geflüchtete mit akademischem Hintergrund, Wissenschaftler und Studierende entwickeln dabei neue Geschichten zu alten Objekten. So soll ein alternativer Multimedia Guide für bestehende und zukünftige Ausstellungen des Museums entstehen.

Nehmen wir einfach alle mit…
Flötistin Susanne Schneider beschreibt, wie groß mancherorts die Abneigung gegenüber Multikulti ist und wie einfach die Lösung sein könnte: „Lasst uns mal wieder gemeinsam im Kulturwald wandern gehen und dabei über Gott und die Welt quatschen.“ Zu den Konzerten ihres Orchesters kommen seit einiger Zeit auch Flüchtlinge, womit der erste Schritt getan wäre: Einheimische kommen mit Flüchtlingen in Kontakt.

Kultur und Integration
Barbara Wolf berichtet von der Fake-Aktion „Kindertransporthilfe des Bundes“ des Zentrums für Politische Schönheit und fordert mehr Kreativität, Mut und Initiative. „Als Bewahrer von Geschichte, Kultur und Tradition, als Vermittler von Inhalten, als Orte des Austausches und der Inspiration und als Inkubatoren von Kreativität und Ideen sind Kulturinstitute genau die richtigen Orte für Menschen, um anzukommen, Fragen zu stellen und gemeinsam die neue Heimat zu erkunden (…)“, so Barbara Wolf.

Kultur im Wandel erfordert Wandel der Begegnungskultur
Birgit Schmidt-Hurtienne geht es in ihrem Beitrag auf dem Result-Blog um das Thema kulturelle Partizipation. Während die freie Kulturszene und die Soziokultur schon seit längerem sich mit „Kultur und Migration“ beschäftigen, komme das Thema erst langsam in den (Hoch-)Kultureinrichtungen an. Wie kulturelle Partizipation funktionieren kann, zeigt Birgit Schmidt-Hurtienne unter anderem am Beispiel des Rotterdamer Theater Zuidplein.

Kultur im Wandel
„Integration, Assimilation, A- oder Transkulturation oder wie immer du es auch nennen willst, funktioniert nicht über den Konzert- oder Museumsbesuch, wo du durch Tricks die zu Integrierenden hinlocken willst“, so Frederik Blumenberg. Deshalb rät er dazu, mit Migranten in Kontakt zu treten –  dann wird das was mit der Integration.

Migriere Kultur, migriere!
„Zieht also eure Fräcke aus und geht unter die Leute“, schreibt Michael Bauer und fordert eine „Entmystifizierung der Hochkultur“. Entsprechend sollten sich Kulturinstitutionen öffnen, so dass sie auch für weniger gebildete und betuchte Leute wieder interessant werden. Oder in seinen Worten: „Die Kultur muss ins Volk migrieren. Nicht umgekehrt.“

Neue Herausforderungen für die Kultur
Deutsch könne man auch wunderbar im Museum lernen, so Anke von Heyl. Von Kunstmuseen fordert sie, den Blick über den Tellerrand zu wagen und auch außereuropäische Positionen zu zeigen – wie es das Museum Ludwig in der Vergangenheit schon tat. Dass es nicht einfach ist, neue Zielgruppen zu erschließen und früher oder später Probleme auftauchen, sei klar, dennoch lohne es sich grundsätzlich auf das Thema Vielfalt zu setzen.

Kunst, die das Meerestreiben nicht unkommentiert lässt
Patrycja Przybilla erläutert im Blogbeitrag die Videoarbeit „Seestück“ (siehe oben)  von Oliver Herrmann: „Bewegte Wellen spiegeln sich im Horizont des Meeresvideos.“ Damit ist die Hälfte des Werks bereits beschrieben, Sinn macht sie jedoch erst in Kombination mit den Textplots, die neben dem Video in einem zweiten Bildschirm durchlaufen. Dabei handelt es sich um Todesfälle oder Vermisstenmeldungen von Flüchtlingen.

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Autor: Axel Kopp

Axel Kopp, Jahrgang 1982, Social Media Manager an der FH Dortmund, ursprünglich Kulturmanager (M.A.) mit Schwerpunkt Online-Marketing

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