Im Rahmen einer kleinen Studienarbeit wurde die Web 2.0-Aktivität von 17 deutschen Staatstheatern in der Sparte Schauspiel ausgewertet. Neben der obligatorischen Frage „Eigener Blog?“ wurde auch geschaut, ob die Einrichtungen twittern, Videos auf YouTube hochladen, eine Gruppe auf facebook oder wer-kennt-wen betreiben und ob sie ihren Wikipedia-Artikel pflegen. Hier die Ergebnisse im einzelnen:

Eigener Blog / Microblog: Twitter

Der einzige Blog wird vom Badischen Staatstheater betrieben, bietet einen Blick hinter die Kulissen, ist recht aktuell und gut geschrieben. Nur mangelt es anscheinend an Lesern. Zumindest hatte Blogger Donald Berkenhoff im Juni 2009 „zunehmend das Gefühl in ein schwarzes Loch zu schreiben“.
Twitter wird von keinem Staatstheater genutzt.

Soziale Netzwerke: facebook und wer-kennt-wen (wkw)

Im Bereich Social Media Marketing halten sich die Staatstheater mit Informationen großzügig zurück. Zwar gibt es auf facebook und wkw zu sieben Staatstheatern Gruppen, doch sind diese meist auf Initiative von Besuchern entstanden und werden von den Staatstheatern wenig bis gar nicht beachtet. Entsprechend dünn ist der Content. Es gibt kaum Informationen zu Aufführungen, kaum Fotos und Videos, keine speziellen Angebote etc. In beiden Netzwerken hat das Hessische Staatstheater die meisten Mitglieder: circa 60 bei facebook und 240 bei wkw.

Videoportal: YouTube

Sieben Staatstheater laden zwar entweder selbst oder über ihre Produktionsfirmen Clips und Trailer auf YouTube hoch, doch schließen sich keine Folgeaktionen oder Interaktionen mit den Nutzern an. Anreize zur kreativen Teilnahme fehlen und die Partizipationsmöglichkeit beschränkt sich folglich auf die wenig genutzten Bewertungs- und Kommentierfunktionen von YouTube. Insofern ist es wenig verwunderlich, dass die drei Staatstheater mit eigenem YouTube-Kanal nur fünf bis elf Abonnenten haben, selbst, wenn sie spartenübergreifend sind und regelmäßig aktualisiert werden. Die Anzahl an Aufrufen pro Video liegt oft im dreistelligen, mitunter auch im vierstelligen Bereich wie etwa beim Trailer zu „Die Räuber“ des Staatstheaters Cottbus mit über 2100 Aufrufen.

Wiki: Wikipedia

Alle Staatstheater haben einen eigenen Wikipedia-Artikel. Doch die Länge der Artikel und die Anzahl der Fotos variiert stark. Der Artikel zum Badischen Staatstheater etwa ist bildlos und umfasst weniger als 300 Wörter, wohingegen der Artikel zum Meininger Theater zwölf Fotos beinhaltet und eine Textlänge von rund 2600 Wörtern hat.
Wikipedia darf und soll natürlich kein Marketing-Instrument sein, dennoch tun die Staatstheater gut daran, Informationen über das Haus und dessen Geschichte auch auf Wikipedia bereit zu stellen. Inwiefern die Artikel von Angestellten der Staatstheater geschrieben wurden, konnte im Rahmen der Arbeit nicht untersucht werden.

Fazit:

In Sachen Web 2.0 läuft bei den 17 Staatstheatern in der Sparte Schauspiel nur wenig. Dabei haben sich auf facebook und wkw sogar schon Gruppen gebildet, die man nur noch mit Informationen und Angeboten füttern müsste. Besonders unverständlich ist das vor allem in Bezug auf die Theatertrailer, die vielerorts aufwendig produziert werden, in deren Verbreitung allerdings nur wenig investiert wird. Warum nicht auf facebook eine Gruppe gründen (sofern noch nicht vorhanden) und die Videos dort einbetten? Denn der schönste Trailer ist nur dann etwas wert, wenn ihn sich jemand anschaut. Das gilt übrigens auch für Blogs, liebes Badische Staatstheater.

Dieser Artikel wurde am 23.09.2009 auf dem „Kulturmanagement Blog“ von Christian Henner-Fehr veröffentlicht.

Die komplette Studie kann hier heruntergeladen werden.

avatar
Autor: Axel Kopp

Axel Kopp, Jahrgang 1982, Social Media Manager an der FH Dortmund, ursprünglich Kulturmanager (M.A.) mit Schwerpunkt Online-Marketing

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Pingback: Jedes siebte Theater ist auf Instagram - Axel Kopp | Axel Kopp

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.