Es ist naheliegend, dass es DEN Museumsmensch ebenso wenig gibt wie DEN Deutschen oder DEN Türken. Und da es auch DAS Museum nicht gibt, sondern neun Museumsarten mit gänzlich unterschiedlichen Ausrichtungen und Angeboten (siehe unten), lässt sich der typische Museumsbesucher nur schwerlich charakterisieren. Nichtsdestotrotz haben Soziologen versucht, die regelmäßigen Museumsbesucher näher zu beschreiben. Wie im Blogpost „Best of Tanja Laukner“ bereits erwähnt, fallen unter diese Gruppe „formal überdurchschnittlich gebildete Menschen mit gehobenem Einkommen, die sich mit großer Eigenmotivation für kulturelle Themen interessieren, in Freundeskreisen oder Fördervereinen von Museen aktiv sind oder zumindest die jeweils aktuelle, in Presse und Öffentlichkeit viel besprochenen Sonderausstellung sehen wollen“ (Schäfer 2005: 394).
Nora Wegner hat in ihrem Aufsatz „Besucherforschung und Evaluation in Museen“ versucht, die Ergebnisse verschiedener Studien zusammenzutragen und Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Museumsgängern herauszuarbeiten.

Geschlecht

Insgesamt gehen Frauen und Männer gleichermaßen ins Museum, wobei Frauen häufiger in Kunstmuseen anzutreffen sind, Männer hingegen eher in Technikmuseen. Obwohl einige der von Wegner zitierten Studien schon ein wenig in die Jahre gekommen sind, zeigt sich diese Tendenz auch bei jüngeren Untersuchungen (vgl. Wegner 2010: 113).

Alter

Hinsichtlich des Alters von Museumsbesuchern lässt sich eine zunehmende Alterung der (Individual-) Besucher feststellen. Insbesondere bei kulturgeschichtlichen Museen und Kunstmuseen gibt es einen ausgeprägten „Ü 50“-Anteil. Technik- und Naturkundemuseen ziehen weiterhin viele Eltern mit Kindern an, wodurch der Altersdurchschnitt in diesen Museen niedriger ist (vgl. Wegner 2010: 116).

Bildung

Museumsbesucher sind überdurchschnittlich gut gebildet. Bei einer 1996 durchgeführten Befragung verfügten 80 Prozent über Abitur und der Akademikeranteil lag bei 45 Prozent – im Vergleich zu einem Anteil von zehn Prozent in der Bevölkerung (vgl. Wegner 2010: 117). Weiter zeigte sich, dass sich unter den Akademikern doppelt so viel Geistes- und Sozialwissenschaftler wie Naturwissenschaftler und Ingenieure befanden. Vor allem in Kunstmuseen ist der Anteil an Besuchern mit Hochschulabschluss besonders hoch, in Freilichtmuseen vergleichsweise gering (vgl. Wegner 2010: 118).

Museumsrichtung

Der bevorzugte Museumstyp entsprach bei Befragungen von Museumsbesuchern bei den meisten Befragten dem gerade besuchten Museumstyp. Unter den Kunstmuseumsbesuchern machten zwei Drittel, unter den anderen Museumstypen 40 Prozent eine solche Angabe (vgl. Wegner 2010: 118). Auf den ersten Blick erscheinen diese Werte hoch, doch betrachtet man die Komplementärwerte, so bedeutet dies, dass ein Drittel der Kunstmuseumsbesucher lieber in andere Museen geht und dass 60 Prozent der Befragten in den gerade besuchten Museumstyp gehen, obwohl sie andere Museumsarten bevorzugen. Wer ein Museum besucht, ist also oft auch gegenüber anderen Museumsarten aufgeschlossen. Laut einer Befragung aus dem Jahr 1990 stellen am ehesten Naturkunde- und Technikmuseen sowie Kunst- und Kulturgeschichtsmuseen gegenseitig Besuchsalternativen dar (vgl. Wegner 2010: 118).
Um die Präferenzen der Museumsbesucher besser einschätzen zu können, lohnt ein Blick in die Besucherstatistik des Instituts für Museumsforschung. Dieser zufolge verteilten sich die insgesamt über 100 Millionen Museumsbesuche im Jahr 2008 sehr unterschiedlich auf die neun Museumsarten:


Wie die Tabelle zeigt, gibt es in Deutschland weit über 2.000 Volkskunde- und Heimatkundemuseen. Diese ziehen jedoch im Durchschnitt nur vergleichsweise wenig Besucher an –  im Jahr 2008 waren es pro Museum 7.345 Besucher. Anders hingegen die „Sammelmuseen mit komplexen Beständen“, von denen jedes einzelne durchschnittlich knapp 100.000 Besucher zählte.   Unter den Top 5 der meist besuchten Museumsarten finden sich noch Museumskomplexe, Schloss- und Burgmuseen, historische und archäologische Museen sowie Kunstmuseen.

Museumsrezepetion

Eine Bevölkerungsbefragung aus dem Jahr 2004 ergab, dass 35 Prozent nie ins Museum und weitere 46 Prozent maximal ein Mal pro Jahr ins Museum gehen. Demnach besucht nur jeder Fünfte mehrmals pro Jahr ein Museum (vgl. Rombach 2007:  117).  Inwieweit die Befragten einen Veranstaltungsbesuch im Museum (z.B. im Rahmen einer „Langen Nacht der Museen“) als Besuch werten, lässt sich den vorliegenden Daten nicht entnehmen.
Zwei Studien, die außerhalb von Kultureinrichtungen (z.B. auf der Straße) durchgeführt wurden (so genannte Nichtbesucherstudien), ergaben, dass sich mehr als ein Drittel der Befragten zu Kunstmuseen hingezogen fühlt, dass sich zwischen 20 und 25 Prozent aber auch für Naturkundemuseen, technische Museen und kulturgeschichtliche Museen interessieren (vgl. Wegner 2010: 119).
Hinsichtlich der Wiederbesuchshäufigkeit wiegt der Faktor Bildung am stärksten (vgl. Wegner 2010: 120). Die meisten regelmäßigen Besucher weisen Kunstmuseen mit 60 Prozent auf, vor Kulturgeschichtsmuseen mit 40 Prozent, Naturkundemuseen mit 30 Prozent und Freilicht- und Technikmuseen mit rund 20 Prozent (vgl. Wegner 2010: 121).

Begleitung

Wegner belegt anhand einiger Studien, dass die Mehrheit des Publikums in Begleitung ins Museum geht. Bei Kleins Untersuchung zum ‚Gläsernen Besucher‘ 1999 1990 waren dies rund 80 % der Befragten und auch bei aktuelleren Studien bestätigte sich der Museumsbesuch mehrheitlich als ein gemeinsames Erlebnis, wobei der Anteil an unbegleiteten Besuchern in Kunstmuseen immerhin bei 40 Prozent und in kulturgeschichtlichen Museen bei 30 Prozent lag (vgl. Wegner 2010: 122). Naturkundemuseen und Technikmuseen werden nur selten allein besucht, dafür häufig von Familien, die teilweise mehr als die Hälfte der Museumsbesucher ausmachen (vgl. Wegner 2010: 122 f.). Im Hinblick auf soziale Netzwerke ist interessant, dass die Bereitschaft alleine ins Museum zu gehen mit zunehmendem Alter steigt (vgl. Wegner 2010: 123).

Literatur

avatar
Autor: Axel Kopp

Axel Kopp, Jahrgang 1982, Social Media Manager und Online-Marketing-Berater, ursprünglich Kulturmanager (M.A.) mit Schwerpunkt Online-Marketing

Dieser Beitrag hat 3 Kommentare

  1. avatar
    Nora Wegner

    Hallo Axel,

    vielen Dank für die ausführliche und interessante Zusammenfassung – ich freue mich, wenn Dir mein Beitrag weiterhilft.
    Der Hinweis auf das teils hohe Alter der verwendeten Studien ist wichtig und richtig, leider sind museumsübergreifende, vergleichende Besucherstudien immer noch selten…

    Viele Grüße, Nora

  2. Pingback: Nicht Social Media machen, sondern ganzheitlich handeln! | Axel Kopp

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.