Vor kurzem hat Google mit seinem Panda-Update mal wieder seine Algorithmen geändert und damit mancherorts für Ärger gesorgt. Und was jetzt? Ruhig bleiben. Fiese Folgen hat das Panda-Update fast nur für Linkfarmen und Content-Schleudern. Da die meisten Websites nicht zu dieser Kategorie gehören (die von Kultureinrichtungen schon gar nicht), dürfte der Eingriff – wenn überhaupt – eher positive Folgen haben. Dennoch ist es ein willkommener Anlass, die eigene Website einer Suchmaschinenoptimierung (= Google-Optimierung) zu unterziehen.

Wer meinen Namen eingibt, findet mich doch!

Klar, wer bei Google „Pinakothek München“ eingibt, wird diese auch finden. Doch nicht jeder Kulturinteressierte wird direkt nach dem Namen des Museums suchen. Wer als Tourist unterwegs ist, wird vielleicht erstmal nach „Sehenswürdigkeiten München“ googeln – und auf die Pinakothek unter den ersten 50 Treffern dann eben nicht stoßen. Und wer beispielsweise nach „Museum München“ sucht, findet das „Museum für Abgüsse Klassischer Bildwerke München“ erst, wenn er bei Google zwei Seiten weiterblättert. Für Theater gilt dasselbe in Grün. So gelangt man etwa bei der Suche nach „Dieter Hildebrandt München“ zunächst nur über Umwege zur Münchner Lach- und Schießgesellschaft, wo der Kabarettist bald mehrfach auftritt. Dass der Nutzer irgendwie schon das Gesuchte findet, versteht sich von selbst. Das setzt jedoch voraus, dass der Nutzer ein konkretes Ziel vor Augen hat. Wertvoll ist eine Suchmaschinenoptimierung für Kulturbetriebe also weniger im Hinblick auf die Stammkunden als vielmehr auf die Gelegenheitsbesucher, die allgemein Kulturinteressierten, die Touristen und die Wellen reitenden Internetsurfer (Stichwort: Serendipität).

Ist SEO eine Wissenschaft für sich?

Da Google verständlicherweise seine Suchalgorithmen nicht offenlegt, kennt sie im Detail auch niemand. Die wichtigsten Faktoren sind jedoch bekannt, was für Kultureinrichtungen reichen dürfte, um eine ausreichend gute Platzierung zu erzielen. Wer in das Thema einsteigen will, für den gibt es im Internet massig Material. Kompakt und gut lesbar sind das Blog Post von Andrea Reitmeier auf Kerstin Hoffmanns Blog und das Buch „Grundlagen der Suchmaschinenoptimierung“ von Thomas Promny, das er kostenlos als pdf zur Verfügung stellt und. Zeit, um diese 30 Seiten zu lesen, sollte jeder, der irgendwas mit dem Internet macht, unbedingt aufbringen. Ich möchte an dieser Stelle das Buch nicht komplett zitieren :-), sondern nur einige Punkte herauspicken, von denen ich glaube, dass sie – besonders für kleine – Kultureinrichtungen interessant sind bzw. von diesen vernachlässigt werden. Gleichzeitig klammere ich einige in diesem Kontext weniger wichtige Dinge aus (z.B. Duplicate Content). Woran es im Detail liegt, dass eine Institution nicht auf Rang 5, sondern auf 15 liegt, bedarf einer gesonderten Analyse, weshalb ich in diesem Beitrag nur zeigen kann, woran es liegen könnte. Was generell eine qualitativ hochwertige Website ausmacht, erklärt Google selbst.

Blog in die Website integrieren

Für die Suchmaschinenoptimierung gilt die altbewährte Regel „Content is King“. So schreibt Thomas Promny: „Das einzige, was Suchmaschinen auf lange Sicht wirklich lieben, ist guter und einzigartiger Inhalt, idealerweise in Textform.“ Eben weil Inhalte so wichtig sind, tun meines Erachtens Kultureinrichtungen gut daran, ihren Blog, auf dem ja ständig neue, einzigartige Beiträge veröffentlicht werden, in die Website zu integrieren (wie z.B. das DDR Museum) oder ihn zumindest an die URL der Website anzudocken (wie z.B. das NRW-Forum). Sicherlich haben externe Blogs (und „Stand Alone Blogs“ wie z.B. posterous oder tumblr) auch Vorteile, doch unterm Strich halte ich es nicht für sinnvoll, Nutzer zuerst von der eigenen Website auf den Blog zu lotsen, um sie anschließend wieder vom Blog zur Website zu locken (wo sie beispielsweise Tickets kaufen können). Abgesehen von den genannten SEO-Vorzügen ist ein eingebundener Blog auch nutzerfreundlicher und wird durch die Integration aufgewertet.

Archiv pflegen

Nach dem Motto „neue Spielzeit, neues Glück“ wird beim Relaunch einer Theater-Website gerne mal das Archiv weggeworfen. Solch ein Verlust der Inhalte ist einerseits schade für den Nutzer, andererseits für das Theater, das dadurch Content für die Suchmaschinen verliert. Aufgefallen ist mir dies beim Schauspielhaus Bochum, in dem mehrere Stücke von Sybille Berg uraufgeführt wurden. Infos zu diesen sind auf der Website leider nicht mehr zu finden. Völlig grundlos wird man die Inhalte vermutlich nicht vom Server gelöscht haben (CMS-Wechsel?), schade ist es dennoch. Merke: URLs sind für die Ewigkeit.

Sprechende URLs vergeben

Mein ehemaliger Arbeitgeber liefert diesbezüglich leider ein Negativbeispiel. So sind die Veranstaltungslinks beim Renitenztheater zwar extrem lang, aber nicht sprechend. Nicht nur im Hinblick auf die SEO ist das unschön. Statt einem solchen Link http://www.renitenztheater.de/nc/spielplan/programm/programm/?tx_jwcalendar_pi1%5Beventid%5D=907&tx_jwcalendar_pi1%5Buid%5D=35&tx_jwcalendar_pi1%5Baction%5D=singleView&cHash=a1f31db0af20b53abf1caa5c011f0b7d, wäre für den Nutzer sowie für Google so einer http://www.renitenztheater.de/spielplan/2011/08/28/frl-wommy-wonder/id=123 wesentlich hübscher. Bin gespannt, wann die Umsetzung erfolgt…

Seitentitel zuweisen

Das Theater der Altstadt tut sich in mehrfacher Hinsicht keinen Gefallen. Egal auf welchen Link der Nutzer klickt, er landet scheinbar immer auf http://www.theater-der-altstadt.de/, sprich die Pfade werden verborgen. Der Seitentitel ist ebenfalls immer derselbe und heißt „Index“. Nicht nur aus SEO-Gründen, sondern auch aus Gründen der Usability und des Empfehlungsmarketing ist es sinnvoll, die Pfade anzuzeigen sowie Seitentitel zu vergeben.

Vernetzung

SEO wird gemeinhin unterteilt in on-page-Optimierung, Maßnahmen, die auf der Webseite selbst vorgenommen werden (siehe oben) und off-page-Optimierung, Maßnahmen, die außerhalb der eigenen Website stattfinden und im Wesentlichen darauf zielen, die Linkpopularität (Anzahl der eingehenden Links) zu verbessern. Zu letzterer komme ich nun.
Die magischen Stichwörter heißen „Vernetzung“ und „guter Content“. So schreibt Thomas Promny: „Wer interessante Inhalte oder sinnvolle Dienstleistungen auf seinen Seiten anbietet, wird immer auch ‚natürliche‘ Links bekommen.“ Wer es nicht auf „natürlichem“ Weg schafft, weil er beispielsweise nur eine statische Website hat, der kann auch Links tauschen, getreu dem Motto: „Setzt du einen Link zu mir, setz ich einen zu dir.“ Warum nicht eine Liste/Blogroll erstellen mit Links zu anderen Museen und Theatern in der Stadt? Speziell Kultureinrichtungen würde es im Allgemeinen ganz gut tun, sich stärker zu vernetzen. Ein Linktausch kann also der Anfang einer großen Liebe sein :-).

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Autor: Axel Kopp

Axel Kopp, Jahrgang 1982, Social Media Manager, ursprünglich Kulturmanager (M.A.) mit Schwerpunkt Online-Marketing

Dieser Beitrag hat 8 Kommentare

  1. avatar
    AuGuSTheater

    Hallo Axel,
    das war / ist lohnende Lektüre.
    Besonders hat mich angesprochen:
    “ … in die Website zu integrieren (wie z.B. das DDR Museum) oder ihn zumindest an die URL der Website anzudocken (wie z.B. das NRW-Forum).“

    Meine Frage: Wie machen das?
    Oder andersherum:

    Ich frage mich: Wie baue ich mein(en) blog

    http://augustheater.wordpress.com/

    in meine website ein?

    http://theater-neu-ulm.de/

    Herzlichen Dank für so manchen guten Gedankenund beste Grüße, Heinz Koch

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    Axel Kopp

    Ich bin ja kein professioneller Programmierer, deshalb will ich mich an dieser Stelle davor hüten, dir eine konkrete Anleitung zu geben. Wie aufwendig die Sache ist, häng auch davon ab, auf was für einem CMS deine Website läuft. Am einfachsten ist es, du beauftragst einen Informatiker oder einen versierten IT-Studenten. Falls du es selbst machen willst, findest du bei Google eine ganze Palette an (englischsprachigen) Tutorials, siehe http://goo.gl/Q0oJu. Falls dir das zu kompliziert ist, wäre evtl. die Einbindung des RSS-Feeds in deine Website eine Alternative. Das wiederum dürfte z.B. mit http://www.webrss.com/ sehr einfach gehen.

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    AuGuSTheater

    Danke für die Antwort.
    Tja, da muss ich wohl mal rangehen und jemand engagieren, der das macht.

    Nach dem letzten Ulmer webmontag hatte wir das schon mal im kleinen Kreis als Thema.

    Man liest sich.

  4. avatar
    AuGuSTheater

    Tja, ich hab einfach Deinen guten Rat befolgt: „Am einfachsten ist es, du beauftragst einen Informatiker oder einen versierten IT-Studenten.“

    Ich wandte mich also an Stefan Bauer, mit dem ich auf verschiedene Weise schon seit fast 15 Jahren zusammenarbeite. Er hatte mir schon nach vielen Problemen mit anderen „Lösungen“ bei meiner website allgemein geholfen (http://office.stefanbaur.de/cmsroot/produkte/2-tinacms/) und unter anderem auch ein für mich maßgescheidertes „Spielplan – Kartenorder – Feedback-Modul“ gebastelt (http://office.stefanbaur.de/cmsroot/produkte/2-tinacms/2-module/1-spielplan-kartenorder-feedback-modul/), welches mir seitdem beste Dienste leistet,. Ich da nicht von irgendwelchen „eventims“ abhängig und damit genügend flexibel.

    Gut, Axel, ich gab ihm einfach Deinen Vorschlag, ein blog in die website einzufügen, weiter und hatte in weniger als einer halben Stunde das vorliegende Ergebnis.

    Hast Du weitere Fragen dazu?

  5. Pingback: Externe Blogs von Kultureinrichtungen sind tot. | Axel Kopp

  6. Pingback: Das langsame Sterben der Kultureinrichtungen « Das Kulturmanagement Blog

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