„Vielleicht würden sich mehr Jugendliche statt für die Nyan-Cat für El Greco interessieren, wenn sie wüssten, was der Mann für ein Freak war“, schreibt Dieter Nuhr (oder sein Ghostwriter). Der These stimme ich zu, würde sogar noch weiter gehen und „Jugendliche“ durch „Leute“ ersetzen. Doch wer bringt denen den El Greco näher? Und wie? Das Museum Kunstpalast hat sich die Beantwortung diese Fragen gespart und stattdessen das Womit beantwortet: mit Social und Cross Media. Das ist schade, denn mit Markus Kottmann hat man nicht nur einen El Greco Besessenen, sondern auch einen Storyteller allererster Kajüte.

El Greco und Social Media, passt das zusammen?

Die wenig überraschende Antwort von Marketingleiterin Barbara Wiench lautete: „Ja!“ Denn El Greco sei damals auch sehr modern und seiner Zeit voraus gewesen. Außerdem wolle man junge Leute ansprechen und die seien bekanntlich auf Facebook, YouTube und Co. (… blabla…). In der Folge hat das Museum Kunstpalast zusätzlich zum üblichen Social Media Gedöns eine native App inkl. QR-Rallye entwickelt und zwölf Bildpaten gesucht, die „mit ihrem Facebook Profil von der Ausstellung und ihrem Lieblingswerk berichten“. Wer die meisten Likes erhält, darf nach Toledo in den Urlaub fliegen. Ausgefeilte Marketing-Strategie: Reichweite über die Bildpaten generieren, Multiplikatoreneffekte ausnutzen. Das klappt ganz gut, wie man an der derzeit führenden Catherine Yannidakis-Hahne sieht: 611 Likes und die Pinnwand mit El Greco Werbung überzogen. Auch die Abrufzahlen der dazugehörigen YouTube-Videos sind ok. In anderer Hinsicht klappt das Projekt leider nicht: in der Vermittlung von Inhalten. Denn die Bildpaten rühren zwar kräftig die Werbetrommel, doch heraus kommt keine ausgereifte Percussion, sondern Lärmbelästigung.


(Kein) Storytelling in der Ausstellung

Wie gesagt: das Marketing-Handwerk beherrscht das Museum Kunstpalast. So hat man es nicht bei der Social Media Geschichte belassen, sondern eine crossmediale Kampagne konzipiert und ein Bildpaten-Event veranstaltet – mit DJ, Sangria, Oliven und Rundum-Sorglos-Paket für alle Blogger (Danke dafür!). Da die erste Führung recht voll war, bin ich erstmal „einfach so“ durchs Museum geschlendert und es war wie so oft: interessante Bilder und staubtrockene Texte. Die Museums-App, die es erstaunlicherweise auch für Android gibt (gut so!), ist technisch gelungen, doch der Audioguide ist furchtbar, furchtbar langweilig und besteht aus lexikalischen Texte, die von maximal neutralen Sprecherstimmen vorgelesen werden. Für die 53 Kunstwissenschaftler und 26 El Greco Verehrer in Deutschland sind solche Audio Guides ein Traum. Nein, ich muss mich korrigieren, sie wären ein Traum. Denn solche Leute haben vor ihrem Museumsbesuch eh schon mindestens ein, zwei El Greco Bücher durchgeschmökert und wissen eh schon alles. Wer also braucht eine solche App? Wer einen solchen Audio Guide??? Und wer braucht Texte an der Wand, die man sich exakt zweieinhalb Minuten merken kann und dann auf immer und ewig vergisst??? Wer??? Hätte mich beim Museumsrundgang nicht Museumstraum Tanja Neumann begleitet, hätte ich mich so sehr gelangweilt, dass ich auf dumme Ideen gekommen wäre.

El Greco: MarkusKottmann
„Kommen Sie näher ran, sonst sehen Sie das nicht!“

Als ich den Abend in Sachen El Greco innerlich schon abgehakt hatte, kam der Erlöser: Markus Kottmann, der die Museumsführung leitete, nein, der die Besucher packte, ins 16. Jahrhundert entführte, sie auf die Reisen El Grecos mitnahm, dessen Scheitern in Rom nacherlebte, seine malerische Genialität, seinen avantgardistischen Umgang mit Farben, Formen und Perspektiven an einzelnen Gemälden schilderte, von jedem einzelnen Teilnehmer verlangte, sich das Bildnis des Juristen Jerónimo de Cevallos ganz genau und ganz nah anzusehen, und dazwischen von Bild von Bild hetzte (denn das ist verlorene Zeit!). Ich denke, man kann sagen, dass Markus Kottmann ein Freak ist. Aber einer der allerbesten Sorte! Einer der El Greco lebt, mit ihm per Du ist (und ihn folglich „Dominikos“ nennt) und vor allem auch einer ist, der diese Leidenschaft übertragen und die Besucher mitreißen kann.
Patrick Breitenbach schrieb letztens: „Man muss als Social Media Manager selbst nicht das Storytelling beherrschen, sehr wohl aber ein Gespür für gute Stories haben und sie (und ihre Erzähler) im System finden und nach außen vermitteln.“ Mit Markus Kottmann hat das Museum Kunstpalast einen hervorragenden Storyteller mit einem ausgezeichneten Gefühl für spannende Geschichten – und damit ein Juwel, das tausend Mal mehr wert ist, als irgendwelche Bildpatenschaften oder Apps. Denn Markus Kottmann kann nicht nur begeistern, sondern auch Inhalte vermitteln!

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Autor: Axel Kopp

Axel Kopp, Jahrgang 1982, Social Media Manager an der FH Dortmund, ursprünglich Kulturmanager (M.A.) mit Schwerpunkt Online-Marketing

Dieser Beitrag hat 15 Kommentare

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    Karin Janner

    Hehe. Social Media ist eben nicht die Wunderdroge.

    Dein Blogpost kommt gerade zum richtigen Zeitpunkt für mich, ich bin nämlich für eine Schulung auf der Suche nach guten Beispielen für Social Media in der Kulturvermittlung. Find nix dazu.
    Kennst Du GUTE, am besten richtig geniale, Beispiele?
    Meiner Meinung nach eignet sich Facebook, Twitter etc. sehr gut für Marketingkampagnen und Communityaufbau, aber für Kulturvermittlung… hmmm…

    Vielleicht könnte so jemand wie das Vermittlungsgenie Markus Kottmann Podcasts oder Youtube Videos erstellen… Wobei wir dann aber wieder beim Marketing wären…

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    Anke von Heyl

    Meine Güte, das hast du aber mal wieder gut getroffen. Das oft gesehene „Gut gemeint“ schmälert leider auch immer wieder den Erfolg von Social Media in der Kunstvermittlung. Mir ist es auch immer noch ein absolutes Rätsel, wieso man bis heute (es sollten doch mittlerweile endlich mal andere Standards gelten) nicht in der Lage ist, die Beschriftung zielgruppengerecht hinzukriegen. Da wird soviel verschenkt! Und das pflanzt sich dann bis in die Social Media fort! Es hängt dann wieder an einzelnen charismatischen Menschen, die von Natur aus einfach begeistern können. Aber meistens ist der Schritt, solche mündlichen Ansätze auch ins Schriftliche oder gar in eine schlaue Mediennutzung zu bringen. Da hängt man wohl noch lange an den alten Zöpfen. Die Kunsthistoriker können sehr selten aus ihrer Haut!

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    Axel Kopp

    @Karin Ich hab beim Bildpaten-Event zufällig Bianca Bocatius kennengelernt, die in wenigen Monaten ihre Doktorarbeit über Social Media und Kulturvermittlung abgibt. Wenn die dir nicht weiterhelfen kann, wer dann? Ein paar Präsentationen von ihr findest du auch auf Slideshare (z.B. hier). Aber sprich sie ruhig persönlich an – beißt nicht!
    Mir fallen spontan die YouTube-Videos vom Miniaturwunderland ein. Schau dir dort vor allem mal Gerrits Tagebuch an – wirklich sehr gut! Auch die Abrufzahlen sind für so ein Special Interest Thema ausgesprochen gut! Ähnliches gilt für die Master Class Videos der Berliner Philharmoniker oder für die musiktheoretischen Videos von Klaus Kauker.

    Das Opernscout-Projekt der Deutschen Oper am Rhein finde ich vom Ansatz her gelungen. Umsetzung und Erfolg sind meiner Meinung nach eher mäßig. Gleiches gilt imho auch für die „Effi Briest 2.0“-Inszenierung vom Maxim Gorki.
    Christian Holst hat in einem Artikel mal das Education Program vom Staatsballett Berlin gelobt. Ich persönlich hab mich damit aber noch nicht näher auseinandergesetzt.

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    Axel Kopp

    @Anke Deinem Kommentar kann ich nur zustimmen: „Da wird soviel verschenkt!“

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    Sebastian Hartmann

    Hallo Axel,

    erst einmal danke, dass du meiner Bildpaten-Einladung gefolgt bist und am Montag da warst, um nicht nur Ausstellung, sondern auch dem Abend beizuwohnen, eine Runde zu quatschen,…

    Denn darum ging bzw. geht es mir vor allem auch bei der „Bildpaten“-Aktion und meinem Engagement. Immer wieder mit Museumsinteressierten oder solchen, die es werden wollen, ins Museum gehen, ein wenig El Greco zeigen und für die Kunst und für Museen ansich zu begeistern. Besonders im Juli werde ich z.B. zusammen mit verschiedenen Personen und kleinen Gruppen die Ausstellung besuchen und ihnen was zur Ausstellung (und meinem Patenbild) erzählen, da – und da gebe ich dir recht – eine persönliche Führung immer besser ist als jeder Wandtext und Audioguide (ich denke, das ist sowieso ein kultur- und museumspädagogische Thema, das es museumsübergreifend und generell immer wieder zu diskutieren ist). Ich kann es nicht so gut wie Herr Kottmann, aber ich tue ehrenamtlich mein Bestes (vielleicht mit Jakobus-Kluft ;-))

    Die positive Erfahrung von Montag war für mich, dass ich – genauso wie ich glaube 9 Bildpaten (einige waren krank) – geschafft haben, via Facebook & Co. für einen Termin über 100 Menschen zusammen zu bekommen, die gerne an der Veranstaltung teilnehmen wollten. Bei mir wären es durchaus noch mehr gewesen, aber ein Montag war für viele dann doch nicht optimal. Der online-offline Transfer hat in diesem Fall geklappt und das finde ich wie gesagt lobenswert. Ich fand, es war eine sehr entspannte Stimmung und nette Atmosphäre.

    Der Bereich des Transmedia Storytelling im Social Web (und im ganzen Museum) ist – wie wir wissen – kein unkompliziertes. Egal ob für Personen oder Museen, die mit Social Media agieren. Da ist ebenfalls noch einiges zu tun (auch bei mir). Ich erinnere mich da an deinen Artikel des „ganzheitlichen Handelns“. Ja, in die Richtung muss es gehen.

    Aber insgesamt sind meiner Meinung nach die Bildpaten-Aktion, das Social Media-Drumherum, die Veranstaltungen vor Ort und auch die App (zu der ich eine Tour durch Düsseldorf nächste Woche machen werde um den „Funfaktor“ zu testen“) nicht „gut gemeint“ sondern, „gut angefangen“. Denn dies ist (leider) eine von nur wenigen Social Media-Kampagnen von Museen in Deutschland überhaupt.

    Sebastian.

    PS: Für etwaige „Lärmbelästigung“ darf ich mich entschuldigen. Im Juli geht es dann mehr in Richtung gut compilierten El Greco-Soundtrack 😉 Versprochen.

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    Tanja Neumann

    Hallo Axel!

    Eine messerscharfe Analyse, sehr gelungen. Ich hoffe, dass jemand den Herrn Kottmann auf den Artikel aufmerksam macht, er hat das Lob wirklich verdient!

    Es hat mich gefreut, dich endlich mal persönlich kennenzulernen – und da hat das Museum Kunstpalast ja Glück gehabt, dass ich dich ein bisschen ablenken konnte! 😉

    Viele Grüße,
    Tanja

  7. Pingback: Der Blogblick vom 29.06.2012 | Kultur2Punkt0

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    Axel Kopp

    @Sebastian Danke dir für deinen Kommentar (und auch nochmal für die Einladung). Da Dein El-Greco-Monat nun angebrochen ist, bin ich gespannt!
    Deine Formulierung mit dem „gut angefangen“ gefällt mir. Ist wesentlich positiver als mein „gut gemeint“. Da kann ich noch von dir lernen…

    Der online-offline Transfer hat in diesem Fall gut funktioniert, da stimme ich zu. Vergessen darf man allerdings nicht, dass die Veranstaltung für die Gäste kostenlos war. Ganz im Ernst: Wären auch so viele Leute gekommen, wenn die Veranstaltung 15 € (=Normalpreis für Eintritt + Führung) gekostet hätte? Da das Museum Kunstpalast noch nicht sooo lange in den Social Media aktiv ist, hätte das natürlich nicht geklappt, ist klar. Erstmal die Besucher mit Gratis-Angeboten anlocken und so. Wäre aber interessant zu wissen, wie viel zahlende FB-Fans beispielsweise das NRW.Forum hat.

    @Tanja Danke auch dir für deinen Kommentar. Und natürlich hat es auch mich unglaublich gefreut, dich kennenzulernen. Das Museum Kunstpalast hat den Artikel übrigens gelesen (hab eine E-Mail erhalten).

  9. Pingback: El Greco & Friends

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    Joern

    @ Anke Du legtst den Finger auf den wunden Punkt: Ohne eine stärkere Publikumsorientierung seitens der Museen werden alle Social-Media-Aktivitäten der betreffenden Häuser ins Leere laufen und nicht das bewirken, was sie bewirken sollen: Mehr Aufmerksamkeit. Mehr Interesse. Mehr Lust, ein Museum zu besuchen.

    Ab und an kommt in mir der Eindruck auf, dass die Social-Media-Aktivitäten der Museen mehr Social-Media-Aktivisten erreichen, als die, für die sie gedacht sind. Normale Menschen mit einem gewissen Faible für Kunst und Kultur.
    Zwischendurch blitzt – zumindest auf meinem Screen – zuweilen das Wort „Storytelling“ auf. Englisch klingt immer gut – erreicht aber kaum die Entscheider in den Museen….
    Und geht es nicht nur darum den Besuchern etwas zu bieten, was in guten Museen sowieso selbstverständlich sein sollte: nachvollziehbar zu machen, warum Maler XY so besonders ist. Warum es sich lohnt, einen näheren Blick auf die Geschichte der Trallala-Industrie zu werfen oder warum es wichtige Erkenntnisse liefern kann, wenn man sich mal näher mit der Kultur der Luskimeten auseinandersetzt.

    Ja, und dazu gehört es, Inhalte zu haben, die interessant sind und Texte zu schreiben, die Zielgruppen erreichen. Dir fehlen zu Recht „zielgruppengerechte Beschriftungen“ in den Museen. Doch welche Zielgruppe meinst Du? Die der Kulturfreaks, die der Kinder, die der eher Kulturfernen. Romantiker, Realisten oder eher Menschen, die auf Sex&Crime stehen und das auch mal in 3D erleben wollen, weil sie gerade Urlaub von der Glotze haben.
    Zielgruppengerechte Ausstellungsgestaltung ist sehr schwer zu realisieren. Zum einen, weil die Museumsdirektoren kaum jemals den Mut haben werden, Zielgruppen ansprechen zu wollen, die nicht in ihrem Förderverein oder Kuratorium präsent sind. Zum anderen, weil es so viele disparate Zielgruppen gibt. In mehr als zwanzigjähriger Berufstätigkeit ist es mir noch nie gelungen, aus den Museumsbeamten eine exakte Definition ihrer Zielgruppe(n) heraus zu kitzeln. Alle, ja alle!, boten mir dann immer nur das allgemeine Blabla von breiter Orientierung und dass das, was gut ist, ja alle interessiert. Nicht einmal einen parallel verlaufenden Kinderparcours im bodennahen Bereich konnte ich jemals einem Museum schmackhaft machen. In anderen Ländern ist das möglich. Warum nicht in Deutschland?

    Du schreibst: „Kunsthistoriker kommen nur selten aus ihrer Haut.“ Und da stichst Du ins Zentrum der Wunde. Der gemeine Kunsthistoriker – Ausnahmen bestätigen die Regel – hat keinerlei Interesse daran, Menschen an seinen Vergnügungen teilhaben zu lassen. Er schaut nicht nach unten, er schaut nach oben. Dahin, wo das Geld sitzt. Er will nicht aufklären, er will verklären. Er will Mythen schaffen, Künstler bekannt machen und, wenn er noch keinen haben sollte, sich einen Zugang zum großen Geschäft verschaffen …. Spiess. Fleck. Ronte. Smerling ….

    Einige, wenige Gründe, warum es so schwierig ist Social Media in deutschen Kunstmuseen so zu etablieren, dass sie etwas bewirken könnten. Mal wird ein Praktikant aktiv, mal einer Außenstehender im Zeit- oder Werkvertrag. Immer nur über so kurze Zeiträume, das eine wirkliche Präsenz im Web, die dann auch im realen Museumsalltag wirksam werden könnte, nicht entstehen kann.

    Innovatoren haben es in einer Kunstzene, der es mehr um den Kommerz als um Kultur geht, eben schwer. In diesen Kontext sortiere ich Andreas Blühm ein, der der Stadt Köln nun die Klotten hinwarf und nach Groningen abwandert. Genug ist genug!

    Nun aber Schluss! Wieder viel zu viel aus übervollem Herzen geschrieben. Hoffentlich nehmen es mir nur die übel, die es mir übel nehmen sollen.
    Du, Anke gehörst sicher nicht dazu!

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    Anke von Heyl

    @Jörn Alles absolut so, wie du es beschreibst. Ich mache mir in der letzten Zeit auch extrem viele Gedanken über die Strategien, mit denen die Museumskollegen überzeugt werden können, dass Social Media gut ist. Gut für die Möglichkeit, neue Aufmerksamkeiten auf die tollen Schätze der Museen zu legen. Gut, um die Frage zu beantworten: „Was hat das mit mir zu tun?“
    Aber wir wissen beide, dass die Strukturen und die Einstellungen leider zu verhärtet sind, um sie einfach mal so aufbrechen zu können. Vielleicht spielt der Faktor Zeit in diesem Falle eine Rolle? Irgendwann wird man diese Verweigerungshaltung aufgeben müssen und sich um das „Wie“ kümmern müssen. Bis dahin muss man sich halt weiter in den Ring begeben und zum „Ob“ kämpfen 🙂

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    Sebastian Hartmann

    @Axel: Ja, der Online-Offline-Transfer hat in diesem Fall gegriffen. Natürlich auch, weil die Veranstaltung umsonst war. Mit dem regulären Preis hätte es sicherlich nicht funktioniert. Da müsste eine Zwischenlösung her: habe schon an mehreren Stellen für die Einführung eines Facebook-Tickets oder Foursqauare-ChechIn-Rabatts plädiert. Mal schauen, was daraus wird. Der Fall „NRW-Forum“ wäre in diesem Zusammenhang sicher spannend. Ich frage Herrn lippert mal bei der nächsten Gelegenheit,. ob er mir dazu mal eine offizielle Information geben kann.

    Was die Bildpaten-Aktion und den Juli angeht, wirst du bei braveworld.posterous.com auf dem Laufenden gehalten. Oder via FB/TW.

    @Jörn: Ich verstehe, was du meinst. Um mich kurz zu fassen. Ich sehe die Bildpaten-Aktion als einen verlängerten Arm der Kommunikation bzw. ganz klar des Marketings des Hauses. Mit 12 Personen, die auf irgendeine Art und Weise im Social Web aktiv sind. Dort erreichen Sie natürlich in erster Linie 2 Zielgruppen: Online-Social Media-Aktivisten und -Interessierte sowie Offline-Freunde und Bekannte. Beide ins Museum zu locken (das ist jedenfalls mein Anspruch an die Aktion und der Grund, warum ich mitmache) ist schlussendlich auch der Grund für das Ganze. Und da registriere ich in erster Linie einen vorläufigen Erfolg, da es am vergangenen Montag doch sehr voll wurde im Museum. Klar, da waren dann wieder ganz unterschiedliche Adressaten-Gruppen, wenn es um die Kunst geht. Aber das wäre dann die nächste Hürde, die es zu nehmen gilt. Deswegen schrieb ich oben: Besser „gut angefangen“ anstatt „gut gemeint“.

    Denn: Zum ersten Mal wird Social Media eben überhaupt breiter in das Kommunikations- und Kampagnenkonzept mit aufgenommen. Wüsste nicht, dass es ein Museum in Deutschland gibt, wo das so explizit forciert wird. Und auch für die Aktion gibt es kontinuierlich Ansprechpartner im Museum, so gibt es also auch intern eine Wertschätzung des Ganzen.

    Zu den allgemeinen Ausführungen bezüglich Museum, Kunst, Kommerz, Unterhaltung, Kunstgeschichte,… schreibe ich jetzt nichts mehr, da der Text sonst noch länger wird. Denn dies ist sicherlich ein eigenes Diskussionsthema (oder mehrere) wert – mit viel Raum für Meinungen, Kritik und Ansatzpunkten.

    Zuletzt: ich habe mittlerweile viele Museen kennen gelernt und obwohl die Etablierung des Themas „Social Media“ nicht immer einfach ist (auch hier gibt es Ausnahmen), viele haben es bereits verstanden. und manchmal braucht es erste Anläufe, um das Thema kennen zu lernen.

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    Joern

    @anke @sebastian Ihr lieben Beiden habt anscheinend nicht verstanden, dass es mir mehr um den Inhalt als um das Medium ging.
    Ich wollte zum Ausdruck bringen, dass Social Media nur dann funktionieren können, wenn dahinter eine Struktur (Personal und Inhalte) steht, die dieser Kommunikationsform entgegen kommt. Die sehe ich aktuell nicht. Also aktuell auch keine große Zukunft für Social Media in Museen, so sehr ich das begrüßen würde.

    Die Welt des Web2.0 ist noch nicht wirklich in den Museen angekommen. Twitter, Facebook, Blogs machen Wirbel im Web, erzeugen aber nicht das, was heute aktive Museumsdirektoren wirklich wollen: Einfach nur einen Zuwachs an realen Besuchern, die man dem Stadtdirektor als Erfolgsmeldung weitergeben kann. Und wie diese Medien funktionieren haben weder die noch wir richtig verstanden.

    Klar ist: Ein Umdenken ist erforderlich. Weg vom nur physisch vorhandenen Museum, hin zum Museum, dass seine Sammlung auch im Internet für die kulturelle Bildung wirksam werden lässt. Ohne, dass es wichtig ist, ob die Besucher nun „nur“ im Internet vorbeikommen oder real im Museum aufschlagen.

    Social Media mit Museumsbezug werden heute noch immer als Medien des Marketings begriffen. Ich halte diese Annahme für grundfalsch und wundere mich nicht, dass sie deshalb nicht den Erfolg haben, den wir uns wünschen.

    Erst dann, wenn die sozialen Medien einen Weg finden, äquivalent zum Museum Inhalte zu transportieren, dann werden sie wahrgenommen werden. Inhalte!!!!! Von den Besuchern und den Direktoren. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg.

    Ein Weg, der nur dann erfolgreich sein kann, wenn mehr die Inhalte als die Vermittlungsmedien zählen.

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    Anke von Heyl

    Ja, klar Jörn, das ist schon richtig, was du sagst. Das ist das Problem! Finden wir eine Lösung? Stärken wir einfach die querdenkenden Vermittlungsmethoden! Das ist meine Meinung. Kein Frontalunterricht, mehr kreative Ansätze. Das heißt dann automatisch: Partizipation (oder unter welchem Stichwort das auch immer laufen soll, wir wissen, was gemeint ist). Und dafür sind einfach die Social Media Kanäle eine spitzen Möglichkeit!

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    Bianca

    Hallo ihr Lieben,

    @Karin: In der Kulturvermittlung bin ich nicht allzu aktiv, aber in der Kunstvermittlung und muss sagen, dass es wenig durchdachte und von Anfang bis Ende runde Projekte, Aktionen oder feste Anwendungen aus dem Bereich Social Media in der Vermittlung gibt. Du kannst von mir aber gern Beispiele insbesondere aus dem angelsächsischen Raum bekommen.

    Dieses undurchdachte und inkonsequente Nutzen von Social Media, trifft man im deutschen Lernbereich mit einer Konsequenz an, die schon fast zum deutschen Markenzeichen wird. 🙂 Größtenteils wie Jörn auch schon ansprach, liegt das an fehlendem Personal und fehlenden Ressourcen sowie aber auch an der Unwissenheit im Bereich des Online-Lernens, mobilen Lernens oder Blended Learnings mit sämtlicher IuK, um Social Media mit seinen charakteristischen Eigenschaften sinnvoll und in voller Gänze einsetzen zu können. Der Wandel der Museen (und damit sind auch Strukturen und Handlungs- sowie Arbeitsweisen des Personals gemeint)zu einem demokratisches Forum ist im Museum und ganz sicher nicht im Social Web angekommen, so dass Bildungsauftrag und Bildungswirklichkeit weit auseinanderklaffen.

    Meine Diss zum Thema werde ich diesen Herbst abgeben, so dass ich sie dann hoffentlich Anfang 2013 ins Netz stellen kann, damit ihr was zu lesen habt.

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