Jedes siebte Theater ist auf Instagram

Ende 2014 hat das soziale Bildernetzwerk Instagram mit weltweit 300 Millionen Nutzern Twitter überholt. Jeden Tag werden über 70 Millionen Bilder hochgeladen und die Suche nach dem beliebtesten Hashtag #Love liefert rund eine Milliarde Ergebnisse. In Deutschland gibt es bei steigender Tendenz geschätzte vier Millionen Instagrammer/Igers, darunter 21 Theater.

Falls jemand Instagram nicht kennt: Mit der App kann man jeden, wirklich jeden Smartphone-Schnappschuss mit diversen Filtern im Handumdrehen zu einem kleinen Kunstwerk verwandeln. In der Regel werden die standardmäßig quadratischen Bilder für alle sichtbar veröffentlicht. Da das soziale Bildernetzwerk zu Facebook gehört, lässt sich der Dienst problemlos mit dem blauen Riesen synchronisieren. Da auf Instagram, ähnlich wie auf Twitter, gemeinhin viele Hashtags gesetzt werden, #kann das #allerdings #auf #Facebook #zu #Irritationen #führen. In der FoodpornGastronomie-Branche gibt es jedoch jede Menge Best-Practice-Beispiele, mit Yomaro und What’s Beef möchte ich nur zwei aus Düsseldorf nennen.

Theater mit überschaubaren Follower-Zahlen

Ausgewertet habe ich im Rahmen einer Mini-Studie am 4. und 5. August 143 Theater beziehungsweise eigenständige Sparten. 21 davon hatten einen Instagram-Account, wobei vier Häuser weniger als fünf Bilder veröffentlicht haben und jener von der Deutschen Oper Berlin (noch?) „unofficial“ ist. Vor allem große Theater sind bereits auf Instagram aktiv, jedoch fehlen auch einige, etwa der Friedrichstadtpalast, die Semperoper, das Staatsballett Berlin oder die Theater in Köln, Dortmund, Frankfurt und Stuttgart – siehe Excel-Liste. Untern den quantitativ beliebtesten Theatern auf Instagram finden sich erwartungsgemäß viele renommierte Häuser, am überraschendsten ist wohl, dass Platz 7 an das vergleichsweise kleine Theater Koblenz geht. Hier die Top 10 inklusiv ihrer Abonnentenanzahl:

  1. Deutsche Staatsoper in Berlin (1.490)
  2. Residenztheater München (1.100)
  3. Komische Oper in Berlin (570)
  4. Bayerische Staatsoper in München (510)
  5. Schauspielhaus Bochum (430)
  6. Deutsche Oper am Rhein in Düsseldorf (370)
  7. Theater der Stadt Koblenz (350)
  8. Oper Leipzig (290)
  9. Maxim Gorki Theater in Berlin (280)
  10. Deutsches Schauspielhaus in Hamburg (250)

Hashtags auswertbar, nicht aber Geotags

Fast spannender als das, was die Theater selbst posten, sind die Bilder der Nutzer, die durch ortsbezogene Hashtags oder über Geotags lokalisiert sind. Bei Hashtags hat man mitunter das Problem, dass sie nicht eindeutig zuordenbar sind: #staatsoper liefert beispielsweise 10.520 Treffer, aber ob damit die Staatsoper in Berlin, München oder Hamburg gemeint ist, geht daraus nicht hervor. Für das Monitoring und für Studien wie diese sind daher Geotags besser, denn dabei wählen die Nutzer eine exakte Adresse oder einen Ort aus (Beispiel Semperoper). Statistisch auswerten lassen sich diese allerdings kaum, da Instagram die Trefferanzahl nicht anzeigt. Bei den eindeutig zuordenbaren, „normalen” Hashtags liegt die #semperoper mit 8.700 Treffern klar vorn, vor #friedrichstadtpalast mit 3.450 und #bayerischestaatsoper mit 1.510 Treffern.

Kein Grund zu warten!

Wenn man bedenkt, dass die Staatsoper Unter den Linden auf Facebook 13.000 und die Bayerische Staatsoper sogar 30.000 Fans hat, sind die absoluten Zahlen freilich nicht besonders beeindruckend. Berücksichtigt man jedoch, dass Instagram fast ausschließlich von seiner mobilen Nutzung lebt und der Dienst noch keine fünf Jahre alt ist – die iOS-App ist im Oktober 2010, die Android-App im April 2012 erschienen –, sind die Zahlen erstaunlich. Anders als Periscope oder Beme ist Instagram schon der Hype-Phase entronnen, hat sich etabliert und punktet mit rasant wachsenden Nutzungszahlen. Von Experten wird dem Dienst außerdem eine überaus rosige Zukunft bescheinigt.
Zumindest größere Theater sollten deshalb nicht länger warten und in der kommenden Spielzeit mit „instagrammen“ anfangen. Tun sie es nicht, verlieren sie nur unnötig Zeit. Um loszulegen brauchen sie meines Erachtens keine neue Social-Media-Strategie. Bilder von Events, Aufführungen, Marketingaktionen und hinter den Kulissen reichen, um sich auf Instagram einzugrooven. So handhaben es im Übrigen auch die genannten Top 10. Sofern man nicht unter akuter Hashtageritis leidet, ist es meiner Meinung nach sinnvoll, den Dienst mit der eigenen Facebook-Seite zu verbinden. #crossposting

Wie generiert man auf Instagram Reichweite?

Am einfachsten Mal Instagram fragen, denn der Dienst selbst hat mit 90 Millionen die meisten Follower. Spaß beiseite, im Netz gibt es einige gute Artikel, ich empfehle die Infografik von Set Up A Blog Today. Neben dem organischen Reichweitenaufbau wird es vermutlich noch dieses Jahr die Möglichkeit geben, auch in Deutschland auf Instagram zu werben (in den USA ist das schon möglich). Es schadet sicherlich nicht, davon direkt Gebrauch zu machen.
Da viele Schauspieler ohnehin auf Instagram aktiv sind, wäre zu überlegen diese in die Theater-PR zu integrieren – womit natürlich ein gewisser Kontrollverlust einhergeht. Schauspieler Mario Radosin beispielsweise hat zwar nur 40 Abonnenten, wirbt aber auf charmante Art und Weise für das #theaterpforzheim. Vermutlich macht er das „einfach so“, aber meines Erachtens liegt generell im Einbeziehen von Schauspielern ins Marketing ein immenses Potenzial – für Theater UND für die Schauspieler, die dadurch ihren Marktwert steigern können. So lautet denn auch meine Prognose: Schauspieler, die viele Fans und Follower haben, werden zukünftig leichter einen guten Job finden. Aber ich schweife ab.

Fazit: Go!

Viele Theater sind mit ihren Social-Media-Aktivitäten auf der Höhe der Zeit – das war vor sechs Jahren noch anders. Neben Whatsapp, das sich derzeit für die Unternehmenskommunikation noch nicht ordentlich nutzen lässt, ist Instagram der Dienst der Stunde. Das hätte man vermutlich schon vor einem Jahr schreiben können, umso schöner, dass das noch immer gilt. Da ich selbst erst seit Anfang des Jahres auf Instagram aktiv bin, möchte ich den noch nicht instagrammenden Theatern keine Schlafmützigkeit vorwerfen, sondern mich bedanken, dass sie auf das grüne Licht von mir gewartet haben: Ihr könnt jetzt loslegen! 🙂

Linktipp: Kulturtussi Anke von Heyl hat bereits im März eine schöne Übersicht der Museen auf Instagram zusammengestellt.

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Autor: Axel Kopp

Axel Kopp, Jahrgang 1982, Social Media Manager an der FH Dortmund, ursprünglich Kulturmanager (M.A.) mit Schwerpunkt Online-Marketing

Dieser Beitrag hat 5 Kommentare

  1. avatar
    Anke von Heyl

    Lieber Axel,

    feine Ministudie 🙂
    Und ich bin genau deiner Meinung: einfach mal machen und nicht erst lange auf einer Strategie rumdenken. Ohnehin sind ja die Kreativen ein wenig im Vorteil bei Instagram – das Bilddenken liegt denen eigentlich im Blut!

    Dein Hinweis auf die Schauspieler als Multiplikatoren halte ich auch für sehr spannend.

    Herzliche Grüße von Anke

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    Ute

    Danke für den Beitrag und die Analyse. Aber êntre nous – es ist auch noch ein bisschen langweilig, was die Theater auf Instagram machen, hm? Für die meiste ist es, wie Facebook, eine Reklametafel. Da ginge doch so viel mehr in Sachen Storytelling, Inszenierungsbegleitung, Flurfunk, Berichterstattung, Kommenttierung, … Aber das wird bestimmt noch, ich bin da sehr optimistisch. 🙂

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    Christian Holst

    Hallo Axel, das „Warum“, das für instagram spricht ist mir nicht ganz klar. Einfach, weil es viele Leute benutzen? Ich finde ja auch, dass es nicht immer eine „Strategie“ braucht, aber ein paar konzeptionelle Überlegungen sollte man dem „Instagrammen“ m.E. schon voranstellen. Schließlich sollte man die begrenzten Ressourcen, die man im Theater (und in jedem anderen Betrieb) hat, ja zielgerichtet einsetzen und den Aktionismus in Grenzen halten. Insofern interessiert es mich schon, wie es weitergehen soll, nachdem das Bild einmal über den Screen des Empfängers gehuscht, im Idealfall vielleicht noch mit Herzchen versehen worden ist….

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    Axel Kopp

    Zunächst Danke für die Kommentare. Es mag vielleicht nicht das beste Argument aller Zeiten sein, aber „weil es viele Leute benutzen“ ist das tatsächlich eins, Christian. Die (potenziellen) Besucher geben die Kommunikationskanäle vor. Wenn es ihnen beispielsweise lieber ist, anstatt über einen E-Mail-Newsletter über Whatsapp informiert zu werden, dann muss man diesem Wunsch früher oder später nachkommen – auch wenn das rational betrachtet der „falsche“ oder „zweitbeste“ Kommunikationskanal ist. Ich zahl gerne ins Phrasenschwein ein, aber der Kunde ist eben König und das Theater Dienstleister. Außerdem eine Frage an dich: Benutzt du immer den effizientesten Kommunikationskanal?
    Die begrenzten Ressourcen sind mir durchaus bewusst, weshalb ich Utes Einwand, dass auf Instagram noch mehr Storytelling geht, berechtigt finde, aber sie eben aus Beratersicht spricht. Da sagt sich manches leicht, was in der Praxis dann doch relativ viel Zeit kostet. Aber eben weil man Instagram gut mit Facebook verbinden kann, denke ich, dass der Einstieg für Theater einfach ist und kaum Ressourcen bindet. Wenn du ein Bild veröffentlichen willst, warum dann nicht auf Instagram UND Facebook? Ich bin sonst kein allzu großer Freund vom Synchronisieren, aber in diesem Fall macht es – zumindest am Anfang – Sinn.

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    Christian Holst

    Ich würde sagen, dass viele bzw. die Leute, die ich erreichen will, es benutzen, ist eine Grundvoraussetzung, überhaupt mit dem Nachdenken anzufangen, ob der Kanal etwas für mich sein kann. Aber als Unternehmen oder Einrichtung kommuniziert man nicht absichtslos. Über diese Absichten sollte man sich m.E. auch ein paar Gedanken machen und schauen, was Instagram zu deren Verwirklichung beitragen kann. Würde ich jedenfalls so machen.

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