Aufruf zur Blogparade #KulturImWandel

Weniger, älter, bunter – so ließ sich die demografische Entwicklung Deutschlands lange Zeit beschreiben. Spätestens seit der Flüchtlingszuwanderung wissen wir: Weniger muss nicht sein, die Überalterung lässt sich verlangsamen, aber bunter, das werden wir auf alle Fälle. Das wirkt sich zwangsläufig auch auf die Kultur, die Arbeit von Kulturschaffenden und Kultureinrichtungen aus – nur wie? Darum soll es in dieser bis zum 22. April andauernden Blogparade gehen.

Migration ist nichts Neues: Bereits vor dem 2015 einsetzenden Zuwanderungsstrom hatten über 20 Prozent der hiesigen Bevölkerung einen Migrationshintergrund. Und auch in Ausstellungen, Theateraufführungen und Konzerten gibt es schon seit jeher Werke von und mit ausländischen Künstlern. Eine rein deutsche Kultur – was sollte das überhaupt sein? – existiert ergo nicht. Nichtsdestotrotz gibt es im Programm der Kultureinrichtungen eine spürbare Trennung zwischen westlicher und restlicher Kultur. Opern von Verdi, Dramen von Shakespeare und Ausstellungen mit Warhol-Werken sind an der Tagesordnung, Kunst aus Afrika und Asien hingegen hat Seltenheitswert.

Was Kunst ist, entscheiden wir

Wenn doch mal Kunst aus diesen Kontinenten gezeigt wird, dann meist nur im Rahmen einer völkerkulturellen Ausstellung, einem internationalen Kulturfestival oder eines Gastauftritts. Oder es wird Kunst gezeigt, die westlichen Gütekriterien entspricht – so geschehen bei China 8, wo man zeitgenössische Kunst aus China an Rhein und Ruhr geholt hat. Als ich bei einem Diskussionsabend die Frage aufgeworfen habe, ob man die Ausstellung im NRW-Forum auch in China hätte zeigen können, lautete die Antwort sinngemäß: „Ja, aber dafür würde sich dort kaum jemand interessieren.“ Wir importieren also nur jene Kunst, die mit unserem Kunstverständnis kompatibel ist – das ist logisch und dennoch absurd.

Kulturelle Integration oder Assimilation?

Döner, Shisha, Islam und ein bisschen Saz-Musik – wem fällt zur türkischen Kultur sonst noch was ein? Eigentlich ein Armutszeugnis, denn die meisten Zuwanderer in Deutschland kommen aus der Türkei. Fehlt uns das Interesse oder mangelt es an Angeboten? Im Idealfall besteht Integration aus einer gegenseitigen Annäherung. In der Praxis wird jedoch meist von den Zuwanderern erwartet, dass sie sich anpassen, sich selbst bewegt man kaum. Dieses Verständnis von Integration (eigentlich ist das Assimilation) herrscht auch im Kulturbetrieb: Entweder „die“ interessieren sich für „unsere“ Kultur oder sie bleiben halt weg. Und sie bleiben weg. Langfristig scheint diese Strategie deshalb zum Scheitern verurteilt, trotzdem bewegt sich kaum eine Kultureinrichtung auf die Eingewanderten zu, weder mit gezieltem (Ethno-)Marketing, noch inhaltlich.

Wie werden aus Migranten Kulturbesucher?

Weit verbreitet ist die Auffassung, dass man nur die Preise senken müsste und *zakk* kommen die Migranten von alleine. Dass sich der Schalter aber nicht so einfach umlegen lässt, beschreibt Tom Schössler auf Kulturmanagement.net: „Als ein großes Kunstmuseum vor einigen Jahren ein halbes Jahr gänzlich auf Eintrittspreise verzichtete, kamen zwar mehr Besucher. Aber es kamen dieselben wie vorher, nur öfter und ohne zu zahlen. Es wurden weder junge Besucher noch solche aus sozial schwächeren Milieus dazugewonnen (…) .“

Wie aber begeistert man Migranten für die hiesigen Kulturangebote? Welche Best-Practice-Beispiele gibt es? Müssen Kultureinrichtungen ihr Kunstverständnis überdenken? Oder reicht es, Museumsführungen auf Türkisch und Arabisch anzubieten? Brauchen wir mehr Theaterinszenierungen auf Englisch? Oder soll alles so bleiben wie es ist, weil Integration nicht zu den Aufgaben einer Kultureinrichtung gehört? Welche Kunst und Kultur bringen die Geflüchteten überhaupt mit? Und welche Auswirkungen hat das alles auf die Kultur(förder)politik? Mit diesen Fragen könnte man sich im Rahmen der Blogparade auseinandersetzen oder sich auf einen gänzlich anderen Aspekt des kulturellen Wandels konzentrieren.

Wer an dieser Blogparade teilnehmen möchte,

  • verfasst bis zum 22. April 2016 einen Blog-Beitrag,
  • verlinkt in seinem Blog-Beitrag diesen Artikel hier,
  • kopiert zur Sicherheit die URL seines Blog-Beitrags in einen Kommentar unter diesen Artikel und
  • darf auf Twitter gerne den Hashtag #KulturImWandel verwenden.

Ich werde

  • jeden Blog-Beitrag kurz zusammenfassen und verlinken,
  • am Ende der Blogparade ein ausgedehntes Fazit schreiben,
  • auf dem stARTcamp RuhrYork am 24. April (Tag 2) eine Session zum Thema halten und
  • dich mit Ruhm, Ehre und Dankbarkeit überschütten.

Bild oben: Samuel Auguste, Lizenz: CC BY-NC-ND 2.0

Axel Kopp

Jahrgang 1982, Online-Marketing-Berater, ursprünglich Kulturmanager (M.A.) mit Schwerpunkt Online-Marketing

Kommentare

21 Antworten zu „Aufruf zur Blogparade #KulturImWandel“

  1. avatar

    […] Beitrag zum SEESTÜCK (Version 2016) ist von den Blogbetreibern zur Blogparade #KulturImWandel verlinkt als Statement dafür, dass Kunst als unabhängige, gesellschaftskritische und […]

  2. avatar

    Danke für den ersten Beitrag zur Blogparade!

  3. avatar

    […] seinem Blog hat Axel Kopp da ein paar wichtige Fragen gestellt. Er sieht Diskussionsbedarf und seine Gedanken drehen sich um Flüchtlingsströme, die Migration […]

  4. avatar

    […] …….schreibt Axel Kopp in seinem Aufruf zur Blogparade #KulturImWandel […]

  5. avatar

    Lieber Axel,
    vielen Dank für die Blogparade zu diesem wichtigen Thema. Wir haben dafür zwar nichts extra geschrieben, aber nochmal einen nach wie vor sehr aktuellen Text aus dem letzten Jahr herausgesucht, der sich mit Flüchtlingen und Kulturmanagement beschäftigt: http://bit.ly/KM_Audience_Empowerment
    Viele Grüße aus Weimar,
    Kristin

  6. avatar

    […] werden aus Migranten Kulturbesucher?“, ist eine der Fragen, zu der Axel Kopp in seiner Blogparade #KulturImWandel ein Meinungsbild einholen will. Doch ist das wirklich die Frage? Müsste sie nicht […]

  7. avatar

    […] Kultur im Wandel – wieder eine Blogparade… diesmal von Axel Kopp. Er stellt Fragen, die schwer zu beantworten sind. Ich habe lange überlegt, wie ich mich diesem Thema überhaupt schriftlich nähern könnte, denn gedanklich beschäftigt es mich als Musikerin tagtäglich, schon sehr lange, sehr intensiv und ein Ende ist nicht abzusehen… Der Wandel der Kultur, ein weites Thema… […]

  8. avatar

    […] nutzen die von Axel Kopp angestossene Blogparade #KulturImWandel um über ein aktuelles Projekt zu […]

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    Lieber Axel,
    gerade noch geschafft hier ist unser Beitrag zu #KulturImWandel:
    http://blog.historisches-museum-frankfurt.de/?p=11602

    schöne Grüße aus Frankfurt,
    Nina

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    Auch ich habe nicht originär Neues geschrieben, aber mal Aspekte aus vier Jahren herausgekramt und teils neu beleuchtet. Und leider, leider: Ich sehe zunehmend schwarz. https://hrbruns.com/2016/04/22/jogi-loew-stellt-nicht-nach-glauben-auf-kultur-im-wandel/

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    […] verfassen könnte. Damit kann ich hier im Blog verständlicherweise nicht dienen, und halte daher Axel Kopps Idee, eine Blogparade – also eine Ansammlung vieler Texte mit unterschiedlichen Schwerpunkten – daraus zu machen, […]

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    […] ist die Blogparade „Kultur im Wandel“ vorbei, bis 6. Mai 2016 werde ich aber nachfolgende Übersicht noch ergänzen und erst dann mein […]

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    Wibke Ladwig

    Ich bin spät und dann wurde es auch noch ein Podcast. #ausgründen
    Es geht ums Teilen und Tauschen und Stadtbüchereien. Und darum, dass die Kultur Flamme ist und nicht die Asche.

    http://www.axelkopp.com/2016/04/zusammenfassung-der-blogparade-kulturimwandel/

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    […] wird es unsere Kultur und unseren Alltag verändern? Auch Kulturblogger Axel Kopp wirft mit seiner Blogparade „Kultur im Wandel“ diese Frage auf und bezieht sie konkret auf den kulturellen Bereich, der eigentlich per se […]

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    […] der Blogparade #KulturImWandel ging es nicht ausschließlich um Flüchtlinge, sondern generell um Migration und Kultur. In diesem […]

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    […] werden aus Migranten Kulturbesucher?“, ist eine der Fragen, zu der Axel Kopp in seiner Blogparade #KulturImWandel ein Meinungsbild einholen will. Doch ist das wirklich die Frage? Müsste sie nicht […]

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    […] Kulturblogger Axel Kopp wirft mit seiner Blogparade „Kultur im Wandel“ diese Frage auf und bezieht sie konkret auf den kulturellen Bereich, der eigentlich per se […]

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