Google My Business: unfertiges Netzwerk mit viel Potenzial

Unternehmenseinträge und Bewertungen auf Google Maps dürfte jeder kennen. Über Google My Business können Unternehmen diese verwalten, was insbesondere für lokale Geschäfte extrem wichtig ist. Daneben bietet Google My Business aber noch viele weitere Möglichkeiten. Welche bringen etwas?

Den eigenen Brancheneintrag verifizieren, korrekte Informationen eintragen sowie ein paar aussagekräftige Bilder hochladen – das sollte jedes Unternehmen machen, von der Eckkneipe bis hin zum Fahrzeugteilehersteller. Es gehört schlichtweg zur Imagebildung dazu und dauert keine 15 Minuten. Auch das „Monitoring“, sprich das Eingehen auf Bewertungen und das Beantworten von Fragen, ist meiner Meinung nach Pflicht. Der zeitliche Aufwand hierfür ist überschaubar und der Nutzen in mehrfacher Hinsicht groß: um Bestands- und Neukunden einen guten Service zu bieten, das Commitment der eigenen Mitarbeiter zu stärken und neues Personal zu finden.

Infos und Öffnungszeiten aktuell halten

Google bietet schon seit längerem eine Reihe an Informationen direkt auf seiner Suchseite an (z.B. Wetter, Taschenrechner, Sportergebnisse). Sofern die Infos richtig sind, ist das für Nutzer sehr praktisch. Auch die Öffnungszeiten von Unternehmen erscheinen direkt. Logischerweise kann Google korrekte Öffnungs- und Urlaubszeiten nur dann ausgeben, wenn sie davor jemand eingetragen hat. Ist das ein Must-have? Darüber kann man streiten. Klar, zu einem guten Service gehört das mit dazu und eingetragen sind die Daten schnell, dennoch lautet die entscheidende Frage: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kunde den Öffnungszeiten auf Google vertraut und „einfach so“ zum Unternehmen geht? Um bei obigem Beispiel zu bleiben: Bei einer Eckkneipe ist diese Chance hoch (weshalb sie ihren Urlaub unbedingt eintragen sollte), bei einem Fahrzeugteilehersteller niedrig (weshalb es für ihn nicht zwingend nötig ist). Dass Kunden diese Informationen mittlerweile direkt auf Google erwarten, veranschaulicht dieses Beispiel schön:

Beitrags- und Produkt-Posts zur Zweitverwertung

Über Google My Business lassen sich auch News-Beiträge erstellen, Veranstaltungen einstellen sowie Produkte und Angebote vorstellen. Das geht einfach und schnell. In Zeiten von Social Media geht vom Facebook-Post bis hin zur Insta-Story jedoch alles flugs  – und trotzdem werden solche kleine Aufgaben schnell zu Zeitfressern. Die Frage, welche Unternehmen von welchen Google-My-Business-Funktionen profitieren, ist deshalb durchaus relevant.

Ausgespielt werden die My-Business-Beiträge direkt auf der Suchseite, wenn Nutzer das Unternehmen googeln. Das ist schön und gut, die Sichtbarkeit für solche Informationen wird dadurch allerdings nur minimal gesteigert, denn selten googelt man eine Firma und liest dann en passant noch ihren neuesten Beitrag. Meine Faustregel deshalb: Ist die Neuigkeit so wichtig, dass sie auch eine Pressemitteilung erhält, dann sollte sie als Beitrag auf Google My Business.

Zu einer ähnlichen Strategie tendiere ich bei Produkten und Angeboten. Auch hier stellt sich die Frage, wie viel Aufwand man bereits für andere Plattformen (z.B. Facebook oder Instagram) betrieben hat, um einen Beitrag zu erstellen. Wenn man zwei Stunden investiert hat, um ein Produkt zu fotografieren und zu bearbeiten, fallen die drei Minuten, um es auf Google My Business einzustellen, kaum ins Gewicht. Extra einen Produkt-Beitrag für My Business zu erstellen, halte ich jedoch für wenig effektiv; dafür bringt er schlichtweg zu wenig Reichweite.

Google Maps als Event-Plattform?

Google Maps ist mittlerweile nicht mehr nur eine Navigations-App, sondern dient über die Funktionen „Erkunden“ und „Für dich“ auch als Gastro- und Freizeit-App. Momentan ist der Mehrwert allerdings gering – um es höflich auszudrücken. So erschien bei mir heute unter „Veranstaltungen“ prominent die Mayday, obwohl ich mit elektronischer Musik nichts am Hut habe, in der „Feinschmeckerliste Dortmund“ landet mit dem Perpendikel eine absolute 08/15-Eckkneipe auf Platz 2 und unter „Sehenswürdigkeiten“ schafft es die extrem unspektakuläre Krüger Passage in der Dortmunder Innenstadt unter die Top 3.

So wertvoll die Rezensionen auf Google für Nutzer sind, um gute Restaurants, Bars und Clubs zu finden, so unbefriedigend sind derzeit die algorithmisch generierten Vorschläge. Dass Google hier in nächster Zeit nachbessert, scheint allerdings wahrscheinlich. Da nahezu jeder Google Maps auf seinem Smartphone hat, könnte das für Veranstaltungsorganisatoren zukünftig eine mächtige Funktion werden. Momentan tendiere ich dazu, Unternehmen zu raten, nur wirklich große Events, die sich an ein breites Publikum richten, auf Google My Business einzustellen. Zwar kann man auf Google Maps auch einzelnen Unternehmen oder Locations folgen, doch wer macht das? Und wer plant schon seine Wochenendaktivitäten auf Basis der Vorschläge von Google Maps?

In einigen Jahren mag das anders aussehen, momentan ist die App allerdings noch nicht intelligent genug, um sich von Event-Websites Veranstaltungsinformationen zu ziehen und diese individualisiert auszuspielen. Darüber hinaus leidet sie unter einem Henne-Ei-Problem: Unternehmen stellen ihre Events nicht ein, weil Google Maps als Event-App kaum genutzt wird, und Nutzer wiederum verwenden Google Maps als Event-App kaum, weil dort nur wenige Veranstaltungen eingetragen sind.

Chatten und Termine machen

Nützlicher als die Event-Funktion ist auf Google My Business bzw. Maps die Möglichkeit, Termine zu vereinbaren. Über Drittanbieter können etwa Frisörtermine gemacht (Beispiel) oder Tische in einem Restaurant reserviert werden (Beispiel). Die Nachrichten-Funktion auf Google My Business erlaubt es Nutzern wiederum, mit Unternehmen zu chatten. Das ist in in Zeiten von Whatsapp eine gute Idee, allerdings benötigt man als Unternehmen auch die Kapazitäten, um unmittelbar zu antworten. Wer diese nicht hat, sollte die Funktion besser deaktiviert lassen.

Fazit: Als Bewertungsplattform ein Gigant, sonst eher ein Zwerg

Als Netzwerk taugt Google My Business derzeit noch nicht viel. Mit den „Local Guides“ gibt es aber eine riesige Community, die Google Maps binnen weniger Jahre zur beliebtesten Bewertungsplattform für Locations und Unternehmen heranwachsen hat lassen. Wenn es Google gelingt, die Unternehmensbeiträge von My Business noch attraktiver auszuspielen und die Event-Funktionen mit Leben zu füllen, könnte hier Großes heranwachsen.

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Autor: Axel Kopp

Axel Kopp, Jahrgang 1982, Social Media Manager, ursprünglich Kulturmanager (M.A.) mit Schwerpunkt Online-Marketing

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