Monitoring: Braucht man das? Und wenn ja, welches Tool?

Die Entscheidung für ein Monitoring-Tool ist schwierig, denn das Angebot groß – satte 93 Anbieter zählt der MonitoringMatcher derzeit. Mit Talkwalker, Ubermetrics und Echobot habe ich drei Anbieter getestet, mit denen sich das freie Web und Social Media monitoren lassen. Aber braucht man so ein Tool überhaupt? Und wenn ja, für was?

Rund 500 Euro pro Monat kostet ein Monitoring-Tool, daher sollte man sich zunächst gründlich überlegen, was man damit machen will. Benötigt man beispielsweise nur Angaben zur Social-Media-Reichweite, reicht vermutlich schon ein Analytics-Tool wie Iconosquare, das es ab 29 Euro pro Monat gibt. Auf der anderen Seite existieren Social-Media-Management-Tools wie Facelift oder Social Hub, deren Funktionsumfang noch deutlich größer ist. Man kann diese beispielsweise auch für die Redaktionsplanung, für das Community Management oder die Erstellung von Beiträgen nutzen. Nette Sache, aber diese Tools kaufen das Monitoring selbst hinzu und kosten folglich mehr als das doppelte. Wert sind sie das meiner Meinung nach nicht, da es zu viele Funktionen nur in den nativen Apps der Social-Media-Plattformen gibt. So lassen sich etwa nur über LinkedIn selbst Personen in Beiträgen markieren. Noch größer sind die Einschränkungen bei Insta-Storys. Diese kann man über Social-Media-Management-Tools entweder gar nicht erstellen oder es fehlen interaktive Elemente wie Umfragen, Ortsmarkierungen oder Hashtags. Spezialisierte Instagram-Tools können das zwar, doch lassen sich darüber wiederum keine Facebook-, Xing- oder LinkedIn-Posts absetzen. Ärgerlich.

Wofür Monitoring gut ist

Monitoring-Tools wie Talkwalker, Ubermetrics und Echobot eignen sich hervorragend, um das eigene Unternehmen oder einzelne Marken zu überwachen. Sobald auf irgendeiner Website, irgendeinem Online-Magazin oder Blog der zuvor angelegte Suchbegriff (Keyword) erwähnt wird, erscheint der Treffer wenig später im Monitoring-Tool. Besonders nützlich ist das beispielsweise, wenn man wissen möchte, von welchen Medien die eigene Pressemitteilung aufgegriffen wurde oder wenn man ein Produkt hat, das öfters mal (positiv oder negativ) im Netz diskutiert wird. Hat man Personen im Unternehmen, die mitunter als Experten interviewt werden oder anderweitig im Rampenlicht stehen, so können diese selbstverständlich auch ins Monitoring einbezogen werden. Aus den Treffern kann man dann manuelle oder automatisierte Reports mit hübschen Grafiken erstellen und diese mit den Worten „Schau mal, was ich für tolle Arbeit geleistet hab” seinem Chef übergeben. Noch sinnvoller ist es natürlich, sich die Erwähnungen anzuschauen, positive Berichte für Social-Media-Beiträge zu nutzen, sich in den Kommentarfeldern für Lob zu bedanken, Unwahrheiten zu berichtigen und auf Kritik einzugehen. Insbesondere beim Krisenmanagement (Stichwort: Shitstorm) ist letzteres enorm wichtig.

Social-Media-Monitoring klappt nur so lala

Anbieterübergreifend funktioniert das Monitoring im freien Web gut, in den sozialen Medien leider nur durchwachsen. Wie gut oder schlecht hängt stark von der Plattform ab: Twitter sowie Texte zu YouTube-Videos und Instagram-Posts lassen sich problemlos monitoren, Instagram-Storys hingegen können nicht überwacht werden. Auch auf Facebook klappt das Monitoring nur bedingt: Erwähnungen auf öffentlichen Seiten werden mehr oder weniger gut gefunden, jene in öffentlichen Beiträgen von Privatpersonen seit dem Cambridge-Analytica-Skandal nicht mehr. Snapchat, Xing und LinkedIn sind komplett geschlossene Systeme und können folglich überhaupt nicht überwacht werden. Das Monitoren von privaten bzw. nicht-öffentlichen Beiträgen ist logischerweise ebenfalls ausgeschlossen. Ich muss gestehen, dass durch diese vielen Einschränkungen meine Euphorie hinsichtlich des Social-Media-Monitorings relativ schnell getrübt wurde. 

Influencer-Recherche und Themen-Monitoring funktionieren nur mäßig

Prinzipiell kann man mit Monitoring-Tools auch nach Influencern suchen, in der Praxis sind meine Erfahrungen leider nicht so prickelnd. Suche ich nach geeigneten Vloggern, gehe ich lieber direkt auf YouTube, möchte ich schauen, welche Instagrammer zu meinem Unternehmen passen, eignen sich kostenpflichtige Spezial-Suchmaschinen bzw. Datenbanken wie Reachhero oder Reachbird deutlich besser. 

Auch das Themen-Monitoring ist mit Monitoring-Tools nicht gerade einfach, da der Grat zwischen zu wenigen und viel zu viel Ergebnissen schmal ist. Zugegeben, das ist stark themenabhängig. Wer sich allgemein für „Online Marketing” interessiert, bekommt natürlich Ergebnisse noch und nöcher, wohingegen eine Suche zu einem Very-Special-Interest-Thema wie „Kulturentwicklungsplan” wiederum unergiebig ist. Lange Rede, kurzer Sinn: Das Konfigurieren des Suchagenten kann mühsam und zugleich unbefriedigend sein. 

Ubermetrics, Talkwalker und Echobot im Vergleich

Eine Mindestvertragslaufzeit von zwei Jahre haben alle drei Anbieter, Echobot gibt es in der günstigsten Variante schon für 300 Euro pro Monat, wohingegen das kleinste Paket von Ubermetrics und Talkwalker bei je 500 Euro pro Monat liegt.

Die drei Tools habe ich eine Woche lang getestet, mir über die rückwirkende Suche aber einen Zeitraum von 30 Tagen angeschaut. Allesamt haben einen guten Dienst geleistet, jedoch gab es keines, das alle Erwähnungen gefunden hat. Der Teufel liegt auch hier im Detail. Beispiel: Größere Verlage greifen oft eine Pressemitteilung auf und spielen diese dann auf zig verschiedenen Websites aus. Das erkennt man unter anderem daran, dass sie sich bis auf den Kommafehler hin gleichen. Beim Auffinden dieser automatisiert veröffentlichten Pressemitteilungen hat Echobot einen sehr guten Job gemacht. Ubermetrics hingegen hat zwar weniger von diesen exakt gleichen Beiträgen gefunden, aber mehr „unterschiedliche”, sprich leicht variierte Fassungen. Schwer zu sagen, welches Tool jetzt besser ist. 

Bei Tests mit anderen Suchbegriffen schnitt mal Talkwalker, mal Ubermetrics, mal Echobot am besten ab, wobei Ubermetrics beim Crawlen von Foren stets die Nase vorn hatte. Allein auf Basis der Suchtreffer ein Tool zum Sieger zu küren, finde ich jedoch problematisch. Deshalb habe ich bei meiner Entscheidung auch die Benutzeroberfläche berücksichtigt. Echobot ist diesbezüglich einfach und schlicht gehalten, wirkt jedoch ein wenig klobig und mit dem laminatartigen Hintergrund altbacken. Talkwalker hingegen halte ich vom User Interface für überfrachtet, gleichzeitig könnte ich mir vorstellen, dass die vielen Einstell- und Filtermöglichkeiten für große Unternehmen praktisch sein können. Nichtsdestotrotz fand ich das klare Design und die Usability bei Ubermetrics am überzeugendsten. 

Fazit: Das Monitoring-Tool spielt nur eine untergeordnete Rolle

Insgesamt fand ich Ubermetrics am besten, da Echobot allerdings 200 Euro pro Monat günstiger ist (vom Paketumfang hätte mir das gereicht), kann ich jeden verstehen, der sich lieber für diesen Anbieter entscheidet. Talkwalker aus den USA – mit europäischem Sitz im Steuerparadies Luxemburg und Büro in Frankfurt – ist das bekannteste der drei Tools, das macht es aber weder besser noch schlechter. 

Unterm Strich erscheint mir die Frage, weshalb man Monitoring betreiben will und für welche Zwecke, viel wichtiger als das Tool selbst. Speziell kleine Unternehmen und Organisationen sollten sich bewusst sein, dass nicht ständig irgendein Blogger etwas über sie schreibt oder ein Influencer ihre Produkte rezensiert. Und die Gefahr eines Shitstorms wird aus meiner Sicht ebenfalls überschätzt. Im Zweifel würde ich allen, die mit dem Gedanken spielen, sich ein Monitoring-Tool anzuschaffen, erstmal zu einem kostenlosen, einwöchigen Test raten. Vielleicht kann man sich das Geld ja komplett sparen. 🙂

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Autor: Axel Kopp

Axel Kopp, Jahrgang 1982, Social Media Manager, ursprünglich Kulturmanager (M.A.) mit Schwerpunkt Online-Marketing

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. avatar
    Christian Henner-Fehr

    Danke für Deine Einschätzungen, Axel! Ich glaube auch, dass man eine gewisse Größe und Webpräsenz braucht, damit sich solche Tools rechnen. Ich selbst, der ich nur ab und zu mal irgendwo erwähnt werde, nutze die kostenlose Version von mention.com und bin damit zufrieden. Damit sind Websites ganz gut abgedeckt, die sozialen Netzwerke checke ich selbst.

    Bietet eines der drei von Dir getesteten Tools die Möglichkeit, positive, neutrale und negative Erwähnungen zu unterscheiden? Oder muss man das selbst machen?

  2. avatar
    Axel Kopp

    Mention.com kannte ich gar nicht. Auch die kostenpflichtigen Pakete sind dort ja sehr günstig. Hätte ich von dem Tool gewusst, hätte ich es auf jeden Fall in meinen Test einbezogen. 🙂
    Eine Sentiment-Analyse (positiv/neutral/negativ) gibt es bei allen drei getesteten Tools. Insgesamt funktioniert die ganz ok. Spätestens bei Ironie oder geteilten Aussagen („Super Service, schlechte Qualität“) versagt sie allerdings.

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