„Mobile“ war letztes Jahr schon eines der Megathemen im Marketing und wird das die nächsten Jahre auch bleiben. Das bedeutet für Unternehmen und für Kultureinrichtungen gleichermaßen, dass sie sich besser früher als später diesem Thema annehmen sollten. Die erste Aufgabe heißt entsprechend: die eigene Website für mobile Endgeräte optimieren. Zum Jahreswechsel 2012/2013 haben das von 140 untersuchten Theatern in Deutschland15 schon getan (und eine mobile Website, eine Web-App oder eine responsive Website entwickelt).

Um statistisch zu belegen, was eh jeder weiß, nämlich dass die Zugriffe auf Websites von mobilen Endgeräten aus stark zunehmen, hier eine aktuelle Zahl von Webtrekk: im 4. Quartal 2012 erfolgten 13 Prozent aller Zugriffe von Smartphones und Tablets aus. Zum Vergleich: Im 1. Quartal 2012 waren es acht Prozent. Man könnte noch einen Blick auf die Verkaufszahlen von Smartphones und Tables werfen, aber gibt es irgendjemanden, der ernsthaft glaubt, dass die mobile Nutzung des Internets abnimmt? Eben!

Die beste Lösung: eine responsive Website

Weil Apps momentan total hip und in aller Munde sind, stellen sich einige die Frage, ob man eine native App entwickeln lassen sollte. Klare Antwort: zuerst auf jeden Fall die eigene Website für mobile Geräte optimieren! Wenn dann noch Geld da ist, dann… (der Rest erübrigt sich, weil bei Theatern eh nie Geld da ist). Drei Möglichkeiten gibt es also:

  1. eine responsive Website
  2. eine mobile Website
  3. eine Web-App

In den meisten Fällen vermutlich die zunächst teuerste, aber auch die beste Variante ist die erste. Das heißt, man hat lediglich eine Website, die sich aber automatisch an die Größe des Displays anpasst. Jedem Nutzer, egal ob er von einem mobilen Gerät oder vom Desktop-PC auf die Site zugreift, wird die gleiche Website angezeigt – aber immer in einer optimierten Darstellung! Im Fall der analysierten Theater gibt es nur ein Beispiel mit responsive Webdesign: das Nordharzer Städtebundtheater. Tipp: Einfach mal auf die Site gehen und das Browserfenster verkleinern! Dann kann man beispielsweise sehen, dass sich zuerst das Menü gruppiert und dann aus dem zweispaltigen Layout ein einspaltiges wird.

Der Usability ist eine responsive Website zuträglich, da sich der Nutzer nicht an ein neues Layout gewöhnen muss und außerdem auf alle Inhalte der Website zugreifen kann (mobile Websites sind oftmals inhaltlich abgespeckt). Aus Sicht des Theaters kann man noch positiv die Konsistenz des Auftritts und den geringeren Pflegeaufwand hervorheben, da man sich, wie gesagt, nur um einen Auftritt kümmern muss. Relauncht man seine Website, sollte eigentlich nur ein solches reaktionsfähiges Design in betrachtet gezogen werden.

Mobile Websites: Online-Ticketing funktioniert nur selten

Warum man beim Besuch der Website des Theaters Kiel mit einem Smartphone nicht automatisch auf die mobile Variante umgeleitet wird, sondern die mobile Ansicht erst auf der Desktop-Variante auswählen muss (was dazu führt, dass der Otto-Normal-Nutzer nicht bemerken wird, dass es überhaupt eine mobile Website gibt), ist mir ein Rätsel. Leicht gemacht hat es sich das Theater Erlangen, welches das Standard-Angebot von kulturkurier.de wahrgenommen hat. Ob sich eine mobile Website lohnt, bei der man ausschließlich Zugriff auf den Kalender hat? Ich wage es zu bezweifeln. Selbiges gilt für die Vorpommersche Landesbühne. So löblich die Idee einer mobilen Website ist, so grottig ist deren Umsetzung.

Besser macht es da das Maxim Gorki Theater, das eine gewohnt schicke und im Umfang nicht beschränkte Version mobile Website entwickelt hat. Ein Manko ist aber, dass die Site nur für Smartphones optimiert ist. Geht man mit einem Tablet drauf, werden die Inhalte in einer schmalen Spalte angezeigt und die andere Hälfte des Displays bleibt leer.

Der mobile Auftritt des Staatsballetts Berlin krankt daran, dass der Ticketkauf zwar prominent angepriesen, aber online nicht möglich ist. Das Problem hängt aller Wahrscheinlichkeit nach mit dem Ticketing-System von CTS Eventim zusammen, denn auf der mobilen Site des Theaters Bremen, die ansonsten durch ihren schnörkellosen Minimalismus eine Augenweide ist, der des Schauspiels Frankfurt, für die man aufgrund der zu kleinen Schriftgröße eine Lupe braucht, sowie der Web App des Theaters Dortmund (siehe unten) funktioniert der Online-Kartenverkauf ebenfalls (noch) nicht. Komisch allerdings, dass bei den mobilen Websites der Bühnen Halle und des Theaters Oberhausen der Ticket-Verkauf über Eventim läuft (vielleicht weil die Funktion nicht auf der Website eingebettet ist, sondern die Veranstaltungen nur auf Eventim.de verlinkt werden???). Beim Nationaltheater Mannheim, das mobil sonst eine gute Figur macht, können online ebenfalls keine Tickets gekauft werden.

Nichts zu meckern gibt’s beim Staatstheater Wiesbaden, beim Theater Würzburg und beim Schauspielhaus Hamburg.

Theater Dortmund mit Web App

Bei einer Web-App handelt es sich technisch gesehen „nur“ um eine mobile Website, aber mit dem Look and Feel einer App. Das Theater Dortmund setzt als einziges darauf und das sieht dann so aus (am Kartenverkauf wird derzeit gearbeitet):

Fazit: Nicht schlecht, aber auch nicht gut

Rund 90 Prozent aller Theater-Websites sind noch nicht für mobile Endgeräte optimiert. Fünf Theater ohne mobile Website wiesen noch Flash-Inhalte auf. Da diese auch auf Android-Geräten mittlerweile nicht mehr dargestellt werden, sollten sie recht schnell verschwinden bzw. durch andere Techniken wie HTML5-Animationen ersetzt werden. Sehr schlecht navigieren ließ sich die Website des Theaters Lüneburg, die ein Ein- und Auszoomen nicht erlaubte. Bei allen anderen Websites traten beim Navigieren keine größeren Probleme auf. Das ist alles in allem, denke ich, im Rahmen. Ich würde jedenfalls tippen, dass dies bei privatwirtschaftlichen B2C-Unternehmen mit einer vergleichbaren Größe ähnlich aussieht. Nichtsdestotrotz ist die mobile Internetnutzung weiter auf dem Vormarsch und die Theater werden um mobile oder responsive Websites nicht herum kommen. Man kann deshalb nur hoffen, dass möglichst viele bereits für 2013 das notwendige Budget eingeplant haben und dieses Jahr tätig werden. Wenn Eventim & Co. dann noch das mobile Ticketing zum Laufen bekommen, klappt’s auch mit dem Nachbarn.

Mobile Websites von Theater by axelkopp


Theater-Websites

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Autor: Axel Kopp

Jahrgang 1982, Online-Redakteur bei der IHK Düsseldorf und Kulturmanager mit Schwerpunkt Online-Marketing

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