10 Online-Marketing-Tipps für Theater

Im Online-Marketing wird ja gern über Bots, künstliche Intelligenz und sowas geredet. Macht ja auch Spaß, doch vor lauter Zukunft sollten Theater die Gegenwart nicht vergessen. Hier einige Beispiele was sie schon heute machen könnten – und sollten.

Denn aufgrund des knappen Budgets sind Kultureinrichtungen ohenhin gezwungen, abzuwarten bis IT-Unternehmen Technologien wie Bots weiterentwickeln und erschwinglich machen. Die Ansätze von Diensten wie Botsify oder Rebot.me gehen in die richtige Richtung, aber momentan erinnert mich das mehr an die Wiederbelebung von Karl Klammer denn an künstliche Intelligenz. Trotzdem ist es natürlich wichtig, schon heute den Input zu erstellen, mit dem ein Bot in spe angefüttert werden kann. Dazu gehört Tipp 1:

1. Inszenierungen charakterisieren

Wenn man bei der Theater-Hotline anruft und sagt, dass man eher klassische Inszenierungen mag, bekommt man in der Regel direkt eine Empfehlung. Sprich, in 1:1-Gesprächen sind zielgruppenspezifische Kategorisierungen erlaubt. Aber wehe, das soll irgendwo öffentlich stehen, dann ist der Aufschrei groß. Denn was bitteschön ist eine „klassische“ Inszenierung?! Zugegeben, eine Definition ist schwierig und trotzdem können die meisten Leute eine solche sehr gut von einer experimentellen abgrenzen. Und deshalb wäre es schön, wenn Inszenierungen verschlagwortet würden. Man könnte das auch spielerisch, mit Hashtags lösen, z.B.  #romantisch #poetisch #TaschentücherMitnehmen oder #laut #schockierend #dystopisch.

2. Chat-Funktion auf die Website einbinden

Eine Telefon-Hotline hat nahezu jede Kultureinrichtung, eine Chat-Funktion fast keine. Warum??? Mit einem Dienst wie Clickdesk lässt sich ein Chat-Widget binnen weniger Minuten auf der Website einbetten und die Kosten liegen bei moderaten 15 Dollar im Monat. Was also spricht dagegen? Ob das Service-Personal telefonisch, per Mail oder via Chat Anfragen beantwortet, macht seitens der Kultureinrichtung keinen Unterschied. Gleichzeitig ist es für potenzielle Kunden, die nicht alleine im Büro sitzen, schön, wenn sie ihr Anliegen lautlos loswerden können – und direkt eine Antwort erhalten.

3. Kurze Videos von wichtigen Szenen posten

Der letzte Kuss von Romeo und Julia, die Ermordung Siegfrieds oder schlichtweg Wladimir und Estragon beim Warten. Kurze Sequenzen, die nur ein paar Sekunden dauern, werden gerne auf Facebook geteilt. Ob man sie als Videos oder Gifs einstellt, ist Geschmackssache, viel wichtiger fürs Theater-Marketing ist es, solche Appetizer, die zwischen einfachem Bild und aufwändig produziertem Trailer stehen, überhaupt erstellt.

Und wo wir schon beim Thema sind: Natürlich sollte man alle Videos, egal ob kurz oder lang, direkt auf Facebook hochladen, denn nur dann werden sie beim Scrollen durch den Newsfeed automatisch abgespielt (was sich positiv auf die Abrufrate auswirkt).

4. Reaction-Gifs erstellen

Es geht in dieselbe Richtung wie der vorherige Tipp, allerdings sind Reaction-Gifs mittlerweile eine eigene Kategorie. Im Theater könnte man diese aus Mitschnitten extrahieren oder alternativ die Schauspieler für Facepalms & Co. explizit vor die Kamera bitten. Beides gut. Als Kommentare auf Kommentare lassen sich diese hervorragend auf Facebook (via Giphy) einsetzen und werden im Idealfall auch von anderen verwendet. Dadurch ist die Halbwertszeit länger und die Chance, dass mal ein Reaction-Gif viral geht, steigt.

5. Mehr Netzkultur wagen 😻

Schon vor vier Jahren habe ich dazu aufgerufen, Trends und Meme aufzugreifen und fürs Marketing zu nutzen. Hat irgendjemand auf mich gehört? 🙉 Natürlich nicht. Auch Emojis werden so gut wie nie verwendet, obwohl sich dadurch Posts schön auflockern lassen und sie mehr ins Auge springen. Auch Bezüge zu aktuellen Themen oder Ereignissen wie Halloween werden nur selten aufgegriffen, dabei ließe sich da leicht was Cooles dazu machen.
Das Bild oben bzw. unten verhohnepiepelt übrigens die aktuelle Facebook-Kampagne.

6. Social-Media-Kabbeleien inszenieren

Leibniz gegen Lidl, Rewe gegen Aldi, Burger King gegen McDonalds und Opel gegen alle. Fast jede Woche „bekriegen” sich Marken im Netz und es gehört für einige schon zur Social-Media-Strategie dazu, auf thematisch passenden Facebook-Seiten in Gespräche reinzugrätschen und einen auf dicke Hose zu machen. Am besten nimmt man dabei die Konkurrenz aufs Korn. Im Theaterbereich gibt es ja meist keine direkten Konkurrenten, doch wenn eine Facebook-Seite Veranstaltungstipps ausgibt (Beispiel), könnte man mit der „Freizeitkonkurrenz” in den Kommentaren durchaus ein kleines Wortgefecht über die bestmögliche Gestaltung des Samstagabends führen. Reibung erzeugt bekanntlich Wärme – und die ist bei den derzeitigen Temperaturen mehr als nötig.

7. Alle Veranstaltungen auf Facebook einstellen

Das ist mühsam, aber wofür gibt es Praktikanten?! Klingt lustig, ist aber ernst gemeint. Dass man damit die eigene Website kopiert, ist klar, aber in gewisser Weise ist Facebook ein Internet im Internet, was bedeutet, dass viele Nutzer es nur verlassen, wenn es unbedingt sein muss. Entsprechend kundenfreundlich wäre es, die eigenen Angebote auch dort zu platzieren, zumal die Freizeitaktivitäten vieler Nutzer von den Event-Vorschlägen auf Facebook geprägt werden.

Facebook selbst weiß wohl um das Potenzial seiner Veranstaltungsfunktion und hat vor kurzem in den USA eine eigene Event-App ausgekoppelt. Momentan ist die „Beliebte Veranstaltungen in deiner Nähe“-Funktion noch … nun ja … scheiße, aber ich gehe davon aus, dass Facebook seinen Algorithmus bald anpasst, so dass die vorgeschlagenen Veranstaltungen individualisiert werden und entsprechend besser passen. In Anbetracht des riesigen Erfolgs der Empfehlungsfunktion auf Amazon ist es mir ein Rätsel, wie träge Facebook hier agiert.

8. Community-Events organisieren

Gleich und gleich gesellt sich gern. Warum versuchen Kultureinrichtungen nicht stärker, die eigene Community besser zu vernetzen?! Ich denke, viele Leute haben das „Problem“, dass sie mal wieder gern ins Theater oder Museum gehen würden, aber niemanden haben, der sie begleitet. Entsprechend sinnvoll wäre es, die Facebook-Fans, Twitter-Follower und Instagram-Abonnenten über Community-Events miteinander in Kontakt zu bringen. Bewerben ließe sich das zumindest auf Facebook sehr gut, indem man die Anzeigen-Zielgruppe auf „Personen, denen deine Seite gefällt“ beschränkt.

9. 360-Grad-Fotos auf Google Maps stellen

Unverständlicherweise pflegen nicht alle Theater ihr „Google My Business”-Profil, dabei gehört das zu den absoluten Online-Marketing-Basics. Schöne Fotos, korrekte Angaben und das Eingehen auf negative Bewertungen sind absolute Pflicht. Mehr zur Kür gehören 360-Grad-Aufnahmen der eigenen Räumlichkeiten. Derzeit ist das noch innovativ, in absehbarer Zukunft wird das wohl die Normalität sein. Entweder besorgt man sich also schon jetzt eine 360-Grad-Kamera (ab 300 Euro) oder man nutzt die „Google Streetview“-App auf seinem Smartphone. Letzteres kostet zwar nix, allerdings gibt es meist Unsauberkeiten beim Zusammenrechnen (Stitchen) der Einzelbilder.

10. Für Vereine: sich um kostenlose IT-Dienste bewerben

Das „Google Ad Grants”-Programm ist wohl das bekannteste Angebot für gemeinnützige Vereine, Stiftungen und gGmbHs. Auf Stifter-helfen.de finden sich aber noch einige andere interessante Leistungen für Non-Profits, beispielsweise kostenlose MS-Office-Lizenzen, der Newsletter-Dienst CleverReach oder das Umfrage-Tool Survey Monkey.

Wer noch mehr Ideen braucht, kann mich gerne kostenpflichtig buchen. 😉 Drohnen-Marketing, Instagram-Challenges, GuteFrage.net-Monitoring… mir fallen da schon noch ein paar Sachen ein.

axel_facebook-werbung

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Autor: Axel Kopp

Axel Kopp, Jahrgang 1982, Social Media Manager an der FH Dortmund, ursprünglich Kulturmanager (M.A.) mit Schwerpunkt Online-Marketing

Dieser Beitrag hat 3 Kommentare

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    Ute Vogel

    Du hast ja recht. Aber solange Theater und andere Kultureinrichtungen, aber vor allem Theater, nicht in der Lage sind, auf Tweets, Bilder, Anfragen, Kommentare, etc. zu reagieren, sprich mit der Communitiy zu interagieren, ist alles andere (technischer) Schnickschnack. Wenn ich auf eine konkrete Frage keine Antwort bekomme, ist mir ein 360° Panorama schnurz.

  2. avatar
    Axel Kopp

    Ja, sicherlich gilt es zuerst die Hausaufgaben zu machen. Dazu gehört die Pflege des Google-My-Business-Eintrags genauso wie die Interaktion mit der Community. Bei meiner Mini-Studie letztes Jahr hat rund die Hälfte der Theater auf Anfragen innerhalb von 24 Stunden geantwortet. Wenn ich bedenke, dass ich in letzter Zeit von deutlich größeren Unternehmen/Marken – Henkel, Barilla, Hakle – gar keine Antwort auf meine Anfragen und Kommentare bekommen habe, ist das in Relation gar nicht soooo schlecht. Aber klar, Luft nach oben gibt es ganz gewiss.

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