Analog zu den Facebook-Seiten gibt es seit wenigen Tagen die Google+ Pages. Das heißt: Unternehmen, Marken, Organisationen, Institutionen etc. pp. können jetzt auf Google+ aktiv werden. t3n erklärt wie es funktioniert und Nico Lumma ärgert sich über nicht ausgereifte Funktionen. Zeitgleich schießen tausende Pages aus dem Boden und es stellt sich die Frage: Was wollen die Unternehmen überhaupt auf Google+ veröffentlichen? Das Gleiche wie auf Facebook? Oder das Gleiche wie auf Twitter? Oder sind sie dieses Mal tatsächlich am Dialog interessiert?

Eine eigene Google+-Strategie?

Synchronisieren von Beiträgen ist out. Wahrscheinlich war es noch niemals in. Thomas Hutter rät nur dann zur Synchronisation zwischen Facebook und Twitter, wenn man Freunde und Fans effektiv wieder los werden will. Oder in anderen Worten: „Grundsätzlich sollte jeder Kanal / jede Plattform mit den dafür geeigneten Meldungen/Mitteilungen bedient und aufeinander abgestimmt werden“ (siehe XING-Kommentar). Es ist bezeichnend, dass diese Tipps aus der Prä-Google+-Ära stammen. Denn obwohl sie einleuchtend sind, stellt sich die Frage: Sollte und kann man als Unternehmen überhaupt für Google+ eine eigene Strategie entwickeln? Schließlich ist Google+ der Killer. Entweder killt er Facebook oder Twitter oder beide zusammen. Die Google+-Strategie müsste folglich zwischen der Facebook- und der Twitter-Strategie liegen. Mir persönlich graust es davor. Denn Twitter wird oftmals wie eine Info-Müllkippe behandelt. Und Google+ könnte auch dazu verkommen.

Wer muss filtern: die Unternehmen oder die Nutzer?

Grob kann man sagen, dass die Informations-, Medien- und Technikjunkies bei Twitter sind und viele davon auch auf Google+. Auf Facebook sind alle, beziehungsweise 21 Mio. Deutsche. Das macht Facebook in Sachen Reichweite für das Marketing attraktiv, gleichzeitig kann man von der Zielgruppe „Facebook-Nutzer“ kaum mehr sprechen. Die Bedürfnisse sind höchst unterschiedlich und allein schon über die Anrede („du“ oder „Sie“) darf gestritten werden.
Das Grundproblem ist: Der eine ist da, der andere dort und der Dritte überall. Verbreitet man einen Link über verschiedene Kanäle, sind all die genervt, die dem Unternehmen auf allen Kanälen folgen. Tut man es nicht, verpasst ein Facebook-Fan, der kein Twitter-Follower ist, vielleicht einen für ihn interessanten Beitrag. Aus diesem Dilemma kommen Unternehmen nicht vollständig heraus. Sie können zwar die Nutzer befragen, aber manche sind eben überall und andere nirgends. Die Strategie, „Auf Twitter alles raushauen. Auf Facebook weniger und Sachen für jedermann“, ist also weniger plump als sie zunächst erscheint. Sofern der Algorithmus nicht bereits festgelegt ist (z.B. im Facebook-Feed), muss die Detailarbeit der Nutzer selbst übernehmen (z.B. Listen auf Twitter).

Große Unternehmen sollten ihre Kanäle trennen

Die Trennung von Altglas und Restmüll ist normalerweise sinnvoll. Man wird sich jedoch keinen Altglascontainer anschaffen, wenn man pro Monat nur zwei Gurkengläser entsorgen will. Selbiges gilt auch im Bereich Social Media für Unternehmen. Bei großen Unternehmen lassen sich einzelne Bereiche wie etwa die Stellenangebote gut abgrenzen und kanalisieren (wie z.B. der Karriere-Account der Otto Group auf Twitter). Also: machen! Für kleinere Unternehmen taugt eine solche Abgrenzung kaum. Das hat zwei Gründe: 1. Sind diese im Allgemeinen schon froh, wenn sie genügend personelle Ressourcen haben, um einen Twitter-Account mit Leben zu füllen. 2. Können über den einen Kanal mehr Leute erreicht werden. Mehr Leute, die Leute kennen, die Leute kennen, die Leute kennen… Auch die 6Wunderkinder, deren Facebook-Seite von t3n zur Besten im Web gekürt wurde, machen das beispielsweise so:

Und was heißt das für Google+?

Eine automatische Synchronisation halte ich persönlich für eine unsaubere und fehleranfällige Lösung. Es spricht aber meines Erachtens nichts dagegen, gleiche Inhalte auf verschiedenen Plattformen zu veröffentlichen bzw. zu anderen Plattformen zu verlinken. Die 6Wunderkinder verlinken schließlich auch von Facebook auf ihre Google+ Page :-).

Momentan ist es in der Tat noch schwierig herauszufinden, wie Google+ von der Masse genutzt wird, denn die Masse ist noch gar nicht da. Aber Posten um des Postens Willen war schon immer schlecht. Warum sollte es auf Google+ besser sein? Interessante Beiträge veröffentlichen und sich in Dialoge einklinken war schon immer gut. Warum sollte es auf Google+ schlechter sein? Und wo die Dialoge letztlich stattfinden, auf dem eigenen Blog, auf Facebook, Twitter oder Google+, das kann man sich als Unternehmen nicht aussuchen. Das entscheidet der Nutzer selbst. Das mag für Unternehmen nervig sein, aber es ist eben: die Realität.

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Autor: Axel Kopp

Axel Kopp, Jahrgang 1982, Social Media Manager und Online-Marketing-Berater, ursprünglich Kulturmanager (M.A.) mit Schwerpunkt Online-Marketing

Dieser Beitrag hat 4 Kommentare

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    Mario

    Man kann wirklich nicht auf gleiche Weise in Facebook, Twitter oder G+ vorgehen. Alle drei haben unterschiedliche Nutzergruppen und Schwerpunkte, die man bedienen sollte, wenn man das meiste rausholen will.

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    C.Holst

    Ist es nicht etwas übers Ziel hinausgeschossen, für jede Plattform eine eigene Strategie zu entwickln, wenn die Nutzung all dieser Plattformen (auch Facebook) eigentlich bei allen Kultureinrichtungen sich höchstens im Stadium des strategischen Experimentierens bewegt? Nach meinem Eindruck klingt der Hype um Social Media inzwischen ab (neulich las ich irgendwo das Schlagwort „Social Müdia“). Wenn sich die Einschätzungen über die Chancen dann langsam auf einem realistischen und durch Erfahrung fundierten Niveau eingependelt haben, sollte man m.E. dazu übergehen, Social Media Strategien zu entwickeln. Google Plus befindet sich allerdings nach meiner Einschätzung noch ganz am Fusse des Hype Cycles.

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    Axel Kopp

    Ich denke, dass man im Idealfall tatsächlich für jede Plattform eine eigene Strategie entwickelt. Wobei ich mit „Strategie“ keine 100-seitige Abhandlung meine, sondern eher eine Richtungsvorgabe (z.B. „Unser Museum nutzt Google+ um pointierte Hintergrundgeschichten zu ausgestellten Objekten zu erzählen und darüber in Dialog mit den Nutzern zu treten“). Man kann eine Google+ Page aus SEO- und Imagegründen aufsetzen und um den Anschluss nicht zu verlieren, aber das sind eigentlich schwache Gründe. „Eigentlich“ deshalb, weil ich das als Kultureinrichtung zunächst (!) auch machen würde. Doch zufrieden stellen würde mich das auf Dauer nicht. t3n schreibt über ihre Google+ Page beispielsweise: „Alles in allem wird es unserer Facebook Fanpage ähneln, aber wir wollen die Inhalte nicht einfach doppeln.“ Das ist okay – für den Anfang! Wobei ich schon die Gefahr des „Rein- und Rumeierns“ sehe: Man macht sich am Anfang keine strategischen Überlegungen, dann läuft es mit synchronisierten Facebook-Postings ganz okay, man wird faul und plötzlich gibt es Google+ seit einem Jahr und man hat noch immer keine Strategie entwickelt. Das ist was, wo ich sage: Dann lasst es lieber gleich!

    Und was „Social Müdia“ anbelangt: Ja, vielleicht wird zukünftig die Nutzungsdauer sinken und die Aktivität abnehmen. Aber momentan scheint mir das nicht der Fall. Ich kenne zwar viele Leute in meinem Alter, die sagen, dass sie das nicht brauchen und dass sie im Urlaub erst gemerkt haben, wie überflüssig Facebook ist. Aber mir sind keine Statistiken bekannt, die einen Rückgang der Social Media Aktivitäten insgesamt belegen. Dir?

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