Die derzeit äußerst hippe Foto-Sharing-Plattform Pinterest war das Thema des letzten Treffpunkt KulturManagement (Facebook, Aufzeichnung). Obwohl Referentin Jenni Fuchs ihre Sache gut gemacht hat, kam ich schnell zu dem Schluss, dass es für Museen, Theater & Co. noch zu früh ist, um sich mit Pinterest zu beschäftigen. Denn das Problem ist, dass im Internet ständig neue Portale, Tools und Apps auftauchen. Alles auszuprobieren und überall mitzumachen kostet sehr viel Zeit. Und da Kultureinrichtungen notorisch über Ressourcenmangel klagen, sollten sie vom Early Adopting lieber die Finger lassen.

Nur ein weiterer Social Media Friedhof?

Pinterest hat es binnen sechs Monaten von einer auf 12 Mio. Nutzer weltweit gebracht. Das ist einiges. Und obwohl der Dienst in Deutschland bislang nur über eine Einladung („Invite“) aktiv nutzbar ist, schlägt er auch in der hiesigen Internetszene hohe Wellen. Daraus kann man zweierlei Prognosen ableiten: 1. es ist nur eine Frage der Zeit bis hierzulande alle Frauen anfangen, Fotos zu pinnen, zu teilen und zu liken, oder 2. es ist nur wieder so ein Hype, wie anno 2007 mit Second Life, als die Dresdner Kunstsammlungen für 50.000 Euro die Gemäldegalerie in 3D nachbauten (um diese 2011 wieder einzustampfen).
Der Vergleich ist zwar insofern schief, als dass Pinterest keine finanziellen Ressourcen in Anspruch nimmt, doch die Gefahr, sich im Social Media Dschungel zu verirren, ist omnipräsent. Fast jeden Tag kann man sich für einen neuen Dienst anmelden, von Amen über Path bis hin zu so.cl. Spielt man als Kultureinrichtung dieses Spiel mit, hat man ruckizucki zig Accounts, kann diese aber null bespielen – weil die Zeit fehlt. Ein solch strategieloses Vorgehen sollten Kultureinrichtungen also tunlichst vermeiden. In wenigen Fällen gehört es jedoch zur Image-Strategie, immer vorne mit dabei zu sein. So legt beispielsweise das NRW-Forum viel Wert darauf, Bestandteil der Internetszene zu sein und ist somit fast gezwungen, Hypes mitzugehen – andernfalls wird es bald nicht mehr zu den Early Adopters gehören. Lohnt sich das? Hhhhmmm… Andere Frage: Können Kultureinrichtungen das überhaupt bewältigen? All jene mit mehr als einem Social Media Beauftragen: vielleicht, alle anderen: nein. Und wie viele Kultureinrichtungen haben mehr als einen Social Media Beauftragten? Eben. Ergo gilt: baue keine Social Media Friedhöfe!

Wie nachhaltig kann Social Media sein?

Auf einem ganz anderen Blatt steht die Frage, wie nachhaltig Social Media überhaupt betrieben werden kann. Denn eine ärztliche Untersuchung der Timelines auf Facebook und Twitter ergibt immer dieselbe Diagnose: digitale Diarrhö. Die Aktualisierungen flitzen in Sekundenschnelle durch und nur das Allerwenigste ballt sich zu einem Klumpen zusammen (und wird zu einem Trending Topic). Nachhaltigkeit? Fehlanzeige! Foren-Einträge und YouTube-Videos halten sich vergleichsweise lang. Und doch ist man auch hier an einen Drittanbieter gebunden und muss sich diesem unterwerfen (z.B. hinsichtlich der Datenschutzrichtlinien). Deshalb ist ein gut gepflegter, in die Website integrierter Blog so wichtig: weil diese Inhalte einem selbst gehören und auch Jahre später noch gefunden werden.

Liegt die Zukunft im Content Marketing?

Christian Henner-Fehr hat in einem kürzlich erschienen Blogpost  die Bedeutung von guten Inhalten betont. Außerdem weist er daraufhin, dass Organisationen, die nur über sich selbst schreiben, nerven und/oder langweilen. Dem stimme ich zu. Die Zukunft sieht er vor allem in Interessensnetzwerken (wie z.B. Pinterest), die wiederum eng verbunden sind mit Content Marketing. Dabei handelt es sich um „eine Marketing-Technik, die mit informierenden, beratenden und unterhaltenden Inhalten durch Profile individualisierte Personen anspricht (…)“, so Wikipedia (wer es anschaulicher mag, dem empfehle ich diesen Artikel auf t3n). Obwohl ich prinzipiell ein großer Fan von Content Marketing bin, stellt sich bei Kultureinrichtungen die Frage, wer die Zeit hat, um diese Inhalte zu erstellen. Äääähhhh… hatten wir das nicht schon mal?!

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Autor: Axel Kopp

Axel Kopp, Jahrgang 1982, Social Media Manager und Online-Marketing-Berater, ursprünglich Kulturmanager (M.A.) mit Schwerpunkt Online-Marketing

Dieser Beitrag hat 3 Kommentare

  1. avatar
    Hagen

    Bin ganz deiner Meinung! Muss denn immer gleich die Frage gestellt werden „Wie Sie Tool XY erfolgreich für ihr Unternehmen nutzen“? Brauchen wir das neue Pinterest-Marketing-Buch (kommt bestimmt!)?

    Übrigens, falls es jemand noch nicht gemerkt hat: Jeder bekommt bei Pinterest eine Einladung, wirklich JEDER. Also nix mit Closed-Beta, das ist Marketing-Quatsch.

    So – und jetzt schreibe ich weiter an meinem neuen Buch „Wie Sie Postkarten erfolgreich für Ihre Unternehmenskommunikation nutzen“.

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    Fuxli

    Eine fulminante Seite, hat mich schwer ins Grübeln gebracht, verantworte ich doch für eine kleine Kultureinrichtung die Web 2.0 Sachen und komme weniger vom Fleck als ich dachte.

  3. Pingback: Nicht Social Media machen, sondern ganzheitlich handeln! | Axel Kopp

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