Zur Lage der Internet-Szene in Düsseldorf

So stark wie in die Off-Kultur-Szene war ich in die Düsseldorfer Netzgemeinde (Internet-Unwort des Jahres 1969 bis 2015; Anm. d. Red.) zwar nicht eingebunden, bei so manchem Barcamp, Tweetup, Twittwoch und was es noch so gibt dabei, war ich aber dabei und kann sagen, dass die Szene gut vernetzt und stark ist. Ein kleiner Guide für Neuankömmlinge.

Als ich bei einem Tweetup zum ersten Mal neben dem „elektrischen Reporter“ Mario Sixtus saß, fühlte sich das unwirklich an, denn für mich war er ein Star – den ich bis dato nur aus Internet und Fernsehen kannte. Ende 2012 ist Mario dann leider nach Berlin gezogen, die Düsseldorfer Internet-Szene hat darunter zum Glück nur wenig gelitten. Twitter-Promis mit über 50.000 Followern kommen zu den von Sebastian Scheele organisierten Tweetups (Facebook-Gruppe) zwar seitdem nicht mehr, aber die Tweetups sind nach wie vor eine schöne Gelegenheit, um Leute aus dem Netz kennenzulernen, über Online-Krams zu quatschen und gut zu essen.

Tolle Barcamps, seichte Twittwochs und ein boomender Webvideopreis

Stefan Evertz sei Dank gibt es seit 2013 ein jährlich stattfindendes Düsseldorfer Barcamp, das in allen Belangen äußerst lohnenswert ist. Das Barcamp-Team und die Rheinische Post, die für die Veranstaltung ihre Räumlichkeiten zur Verfügung stellt, sollte man auch lobend erwähnen.

Ohnehin ist die Zeitung in der lokalen Web-Szene sehr aktiv und hat mit Daniel Fiene einen kleinen Web-Promi in ihren Reihen, der zusammen mit André Paetzel auch die Twittwochs organisiert. Dass die letzten beiden Düsseldorfer Twittwochs (8 und 9; derzeit nicht auf der Website eingetragen) ebenfalls in den Räumen der RP stattfanden, finde ich aus Sicht der Organisatoren verständlich, der Unabhängigkeit der Veranstaltungsreihe dient es aber nicht. Einerseits cool, dass die beiden das machen, andererseits würde ich mir wünschen, dass sie sich zukünftig wieder von der RP lösen. Auch inhaltlich gibt es Luft nach oben. Die letzten drei Twittwochs bestanden im Wesentlichen aus Interviews, die in etwa die Tiefe der Düssel hatten. Für das Networking taugen die Twittwochs aber hervorragend und die Verpflegung ist toll.

Trotz meines virtuosen YouTube-Kanals gehöre ich nicht wirklich zur Webvideo-Szene, habe dem Videocamp, das 2015 leider nach Berlin abgewandert ist, die beiden Jahre davor aber gerne beigewohnt. Mit Dagi Bee und iBlali wohnen mindestens zwei YouTube-Stars in Düsseldorf und Dank Markus Hündgen und Dimitrios Argirakos wird dort auch der deutsche Webvideopreis seit 2012 verliehen. Ich bin gespannt, wie sich der jährlich größer werdende Preis nach der Übernahme durch Ströer entwickelt.

Internet-Leute mögen keine Krawatten

Bei den Veranstaltungen des Wirtschaftsclubs (letztes Mal mit Sascha Lobo und Tina Kulow von Facebook) und der Digitalen Stadt Düsseldorf geht es deutlich businessmäßiger zu – was ja nichts Schlechtes ist, wodurch sie sich aber stark von den obigen „Hoodie-Veranstaltungen“ unterscheiden. Treffen sich die Leute aus dem Internet und jene aus anderen Wirtschaftszweigen am selben Ort, bleiben die Gruppierungen meist unter sich und ein „interkultureller Austausch“ somit aus – was schade ist, denn die Krawattenträger könnten einiges über Netzkultur lernen und die Netzgemeinde wiederum einiges übers Geschäfte machen.

Auffallend ist in diesem Zusammenhang auch, dass es in Düsseldorf zwar eine Reihe großer Agenturen (Grey, BBDO, Butter etc.) gibt, die für ihre Kunden natürlich auch Online-Marketing machen, die sich für die lokale Internet- und Social-Media-Szene jedoch wenig interessieren und entsprechend selten zu sehen sind. Bei kleinen Agenturen ist das anders. Ich denke da an Thomas Knüwer von Indiskretion Ehrensache beziehungsweise seiner Agentur kpunktnull, an Karoline Steinfatt von Marketing Factory Consulting oder an Markus Lezaun, Geschäftsführer der „besten Agentur der Welt“ Blanko, aktives Mitglied in der Bastlerwerkstatt Garage Lab und Mitgründer des Coworking Space Garage Bilk ist. Apropos Coworking:

Was geht eigentlich in den Coworking Spaces?

Einiges!!! Die Taktung der Events, Meetups und Beratungsangebote im Coworking Space Grage Bilk ist beachtlich. Hier treffen sich unter anderem die Webworker NRW und die Google Developer Group, es gibt gute Verbindungen zum Chaosdorf, zu Freifunk, und, und, und. Was das Team um Yvonne Firdaus hier seit 2010 aufgezogen hat, verdient Respekt! Das Gewächshaus Düsseldorf gedeiht seit 2012 ebenfalls prächtig. Gefühlt sind die Veranstaltungen hier weniger techniklastig, dafür wird mal meditiert oder Powerpoint-Karaoke gemacht. Chapeau, Silke Roggermann! Während die genannten Coworking Spaces vor allem Freelancern Arbeitsplätze bieten, zielt der von der Stadt Düsseldorf 2015 initiierte Startplatz auf Startups. Ob dort „aus pfiffigen Ideen von heute Arbeitsplätze von morgen werden“ – wie es in der pfiffig geschriebenen Pressemeldung zur Startplatz-Eröffnung heißt – wage ich aufgrund mangelnder Einblicke nicht zu prognostizieren. Ein Blick auf die Liste von StartupDorf.de zeigt aber trotz vielversprechender Ansätze (z.B. AppSichern), dass man von einer Startup-Metropole, wie sie OB Geisel fordert, noch weit entfernt ist. Sollte es jedoch eines Tages soweit sein, werde ich Düsseldorf die Domain StartupMetropole.de feierlich übergeben verkaufen. Vorerst bleibt Düsseldorf jedoch ein Startup-Dorf.

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Autor: Axel Kopp

Axel Kopp, Jahrgang 1982, Social Media Manager an der FH Dortmund, ursprünglich Kulturmanager (M.A.) mit Schwerpunkt Online-Marketing

Dieser Beitrag hat 5 Kommentare

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    Ralf Neuhäuser

    Hej Axel, zur Coworking Situation gibt es ja gerade spannende Neuigkeiten, wie Dir sicher nicht verborgen geblieben ist. Da tut sich eine neue, riesiggroße Spielwiese auf, die sehr vielversprechend ist.
    Das schreit nach einem Update. 😉
    Ahoj & Grüße nach Dortmund
    Ralf

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    Axel Kopp

    Hhhhhmmmm… meine Antwort kommt deshalb spät, weil ich die „spannenden Neuigkeiten“ erst googeln musste. 🙂 Um ehrlich zu sein, bin ich mir noch immer nicht sicher, auf was du anspielst. Auf die „Coworking Church“? Das scheint mir ein relativ weit entferntes Zukunftsprojekt zu sein. Oder hab ich was verpasst?

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    Ralf Neuhäuser

    Also hast Du von dem Umzug der GarageBilk in die gigantisch große Metso Lindemann Maschinenfabrik in Lierenfeld noch nichts gehört? Ich dachte, Du gehörst zu den berühmten „gut unterrichteten Kreisen“! 😛

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