Suchmaschinenoptimierung für Künstler. Wieso? Weshalb? Darum!

Es gibt Unternehmen, in denen sich manche Mitarbeiter tagtäglich nur um eines kümmern: die Suchmaschinenoptimierung (SEO) der Website. Und es gibt Branchen wie die Kunst, in denen SEO scheinbar überhaupt keine Rolle spielt. Eine vertane Chance.

Dass die allermeisten Künstler arm sind, ist allgemein bekannt. Es lässt sich aber auch in Zahlen ausdrücken. So liegt laut Künstlersozialkasse das Durchschnittseinkommen von Bildenden Künstlern im Schnitt bei 17.130 Euro pro Jahr (Stand: Januar 2021). Obwohl der finanzielle Unmut groß ist, herrschen in der Kunstszene große Aversionen gegenüber Kommerz und Kapitalismus. So möchten Künstler ihre Arbeiten zwar verkaufen – gerne auch für viel Geld –, keinesfalls möchten sie jedoch aktiv Marketing betreiben oder gar sich selbst vermarkten. Der Traum eines jeden Künstlers sieht entsprechend so aus, dass er seine Arbeiten irgendwo ausstellt und diese von Interessierten (im Idealfall kunstbeflissenen Sammlern) gesehen und gekauft werden. Für bekannte Künstler mit guten Galeristen, die für ein Werk 17.130 Euro verlangen können, funktioniert das sogar (noch), aber eben nicht für jene, die im gesamten Jahr so viel verdienen.

Websites und Social Media sind erlaubt

Interessant ist, dass es in der Kunstszene recht strenge Online-Marketing-Konventionen gibt. So sind Websites und Instagram-Accounts unter Künstlern durchaus weit verbreitet und erlaubt. Auch Newsletter sind prinzipiell legitim (nutzt aber kaum jemand, weil uncool). Deutlicher strenger als beim Was geht es hingegen beim Wie zu. Als No-Go gilt es beispielsweise, selbst Texte zu seinen Arbeiten zu schreiben oder gar Preise zu nennen. So sind die Bildbeschreibungen auf Instagram in aller Regel maximal kurz: „Untitled, 2021, 50×50, acrylic on canvas“. Auf Websites das gleiche Spiel. Das wiederum ist ein zentrales Problem. Denn für Kunstlaien sind neben der Optik vor allem zwei Fragen interessant: Was für eine Geschichte/Idee verbirgt sich dahinter? Und: was kostet das? Also genau jene Fragen, die Künstler nicht beantworten wollen. Man will schließlich kein Erklärbär sein (zumindest nicht öffentlich).

Welche Keywords sind für Künstler relevant?

Die Voraussetzungen, um eine Künstler-Website zu suchmaschinenoptimieren, sind also denkbar schlecht, zumal die oben genannten Umstände dazu führen, dass in der Regel nicht nur wenig Texte existieren, sondern dass auch jene, die es gibt, aus der Feder von Kunsthistorikern stammen. Sie sind also alles andere als suchmaschinenoptimiert. Zwar hat Google in den vergangenen Jahren seine semantische Analyse verbessert und kann Bedeutungen und Zusammenhänge schon recht gut erkennen, in Kunstgeschichte promoviert hat die Suchmaschine aber nicht. So gibt es bezüglich des Aufbaus einer Website und der Strukturierung ihrer Inhalte nach wie vor elementare SEO-Regeln.

So sollte man beispielsweise in den Überschriften immer wichtige Suchbegriffe (Keywords) nennen. Welche wichtig sind, legt man wiederum selbst im Rahmen der Keyword-Recherche fest. Vereinfacht gesagt sollten es Begriffe sein, die 1. zum Produkt passen, 2. ein hohes Suchvolumen haben und bei denen 3. der Wettbewerb nicht zu stark ist. Für einen Kölner Künstler könnten beispielsweise „Künstler Köln“ (ca. 250 Suchanfragen/Monat) oder „Kunst kaufen Köln“ (ca. 100 Suchanfragen/Monat) relevant sein. Obwohl das erste Keyword ein höheres Suchvolumen hat, könnte das zweite für den Umsatz wichtiger sein, da es sich hier um eine transaktionale Suchintention handelt, die klar auf den Kauf von Kunst abzielt.

Was bringt Suchmaschinenoptimierung?

Jörg Minrath dürften selbst in der Kunstszene nur wenige kennen, denn gemäß seiner Ausstellungs-Vita ist er nicht sonderlich bekannt. Trotzdem erscheint er mit seiner Galerie bei den beiden oben genannten Suchen auf den Plätzen vier und sieben – und damit noch vor dem in Köln lebenden Gerhard Richter (dem das nichts ausmachen dürfte, da allein schon sein Name 50.000 Mal im Monat gesucht wird). In Anbetracht des geringen Suchvolumens von „Künstler Köln“ und „Kunst kaufen Köln“ wird Jörg Minrath durch die guten lokalen Rankings zwar kaum in den Club der Millionäre aufsteigen, doch sollte man nicht vergessen, dass die meisten Künstler am Hungertuch nagen und bereits fünf verkaufte Bilder mehr pro Jahr einen erheblichen Einkommenssprung bedeuten können. Und dafür eignen sich solche spezifischen „Long Tail Keywords“ durchaus.

Ob es leicht oder schwer ist, bei Google weit vorne zu erscheinen, hängt logischerweise massiv vom Keyword und dem damit verbundenen Wettbewerb ab. Bei der Suche nach „zeitgenössische Kunst“ dürfte es als Künstler schwer bis unmöglich werden, ein Top-10-Ranking zu erhalten, bei lokalen Suchen ist es hingegen vergleichsweise einfach.

Fazit: Künstler sollten sich dem Thema SEO annehmen

Eine suchmaschinenoptimierte Website ist für Künstler sicherlich nicht DIE Möglichkeit, um ihre finanziellen Sorgen über Nacht loszuwerden. Das liegt allein schon daran, dass SEO immer langfristig ausgelegt ist und es mitunter Monate braucht, bis sich Maßnahmen spürbar auf das Google-Ranking auswirken. Gleichwohl sollte man SEO nicht unterschätzen. Gerade wenn es darum geht, die allgemeine Sichtbarkeit im Netz zu erhöhen und von kaufinteressierten Kunstlaien entdeckt zu werden, ist Suchmaschinenoptimierung ein wichtiges Thema. Das gilt für Künstler und noch mehr für Galerien. Einen Fehler, den man keinesfalls machen sollte, ist Website und Social Media gegeneinander auszuspielen („Ich brauch keine suchmaschinenoptimierte Website, weil ich auf Insta schon viele Follower hab“). Dafür sind die Kanäle und auch die Zielgruppen, die man darüber erreichen kann, viel zu verschieden.

PS: Das Suchvolumen kann man beispielsweise über den Google Keyword-Planer oder über KeywordTools.org abfragen. Die obigen Zahlen stammen vom Sistrix SEO-Tool. Je nachdem welches Tool man benutzt, bekommt man leider recht unterschiedliche Suchvolumina angezeigt.

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Autor: Axel Kopp

Axel Kopp, Jahrgang 1982, Social Media Manager und Online-Marketing-Berater, ursprünglich Kulturmanager (M.A.) mit Schwerpunkt Online-Marketing

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

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    Erklärbär

    Lieber Axel Kopp, danke für den schönen Artikel! Ich würde zwei Vermutungen anführen, warum Künstler in dieser Hinsicht dem Trend hinterherlaufen:
    Erstens ist oft einfach nicht genug Zeit, um die Sachen zu erlernen, zweitens um sie dann auch umzusetzen. Was ich beobachte ist, das Künstler deshalb oft nur die halbe Strecke gehen. Website und Instagram-Auftritt sind „ganz okay“, teilweise auch fantasievoll, aber das Konzept ist nicht durchdacht und wird auch nicht konsequent durchgehalten.
    Bei dem erwähnten Durchschnittsgehalt ist die Kunst in der Regel eine Teilzeitbeschäftigung. Es stehen daher auch keine finanziellen Ressourcen zur Verfügung, um jemanden für diese Dinge zu bezahlen. Wer in einer der Top-Galerien vertreten ist, braucht kein persönliches Instagram und keine Website, denn die dortigen Portfolios sind in der Regel ausgezeichnet. Das persönliche Instagram wird dann zur Kirsche auf dem schon vorhandenen Cocktail, so wie zum Beispiel bei kommunikationsfreudigen Künstlern wie Celeste Dupuy-Spencer oder Pascal Moehlmann.
    Damit komme ich zu dem zweiten Grund: es ist wirklich so, dass zu viel Selbstmarketing Galeristen im oberen Segment abschreckt. Es läuft dem Gedanken der Exklusivität zu wieder, und es erlaubt denen dann ja auch nicht, die volle Kontrolle zu übernehmen. Es ist schon zu viel hausgemachtes von dem Künstler „draußen“. Außerdem verliert ein Künstler, über den man zu viel weiß die Aura des geheimnisvollen oder unerforschlichen, die es braucht, um die Preise in die Höhe zu treiben. Natürlich gibt es auch zB von Urs Fischer viele Interviews etc, aber diese Auftritte sind extrem getreamlined. Die offiziellen Videos, die man über ihn findet stehen ästhetisch im Einklang mit seinem Werk. Daher ist die Entscheidung, sich auf dem niedrigen Level für ein besseres SEO, für einen schlüssigen Webauftritt etc zu entscheiden, gefühlt auch die Entscheidung gegen das obere Segment. Man muss dann eben gleichzeitig seine Hoffnung aufgeben, es jemals bei Gagosian oder Hauser & Wirth zu schaffen, weil man instinktiv weiß, ja, die finden das wirklich uncool. Und daher sind viele bereit, von einem Hungerlohn zu leben, für diese Lottogewinn-Chance, es vielleicht doch noch zufällig nach ganz oben zu schaffen.

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    Axel Kopp

    Das ist ein Kommentar, wie man sich ihn wünscht! Herzlichen Dank dafür! Aus meiner Sicht widersprechen die angesprochenen Punkte meinem Beitrag nicht, sondern ergänzen ihn und ordnen ihn ein. Daher würde ich auch der Analyse zustimmen, dass sich mein Blog-Post vornehmlich an jene Künstler richtet, die nicht mehr an den „Lottogewinn” glauben und sich gewissermaßen damit abgefunden haben, es nicht ins „obere Segment” zu den „Top-Galerien” zu schaffen. Das mag individuell sicherlich ein bitteres Eingeständnis sein, wenn man sich die Lebensumstände vieler Künstler anschaut, wäre es aber für viele ein richtiger, wenn nicht sogar notwendiger, Schritt. Die Alternative sieht bei jungen Künstlern ja oft auch so aus, dass sie ein paar Jahre nach der Akademie hinschmeißen, im Hauptberuf was ganz anderes machen und Kunst faktisch nur noch als Hobby betreiben (wenngleich sie den Begriff „Hobby” tunlichst vermeiden würden).

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