Vor knapp zwei Wochen war die stART.10 in Duisburg und heute beginnt die offizielle Evaluation. An dieser Stelle gibt es einen höchst subjektiven Rückblick.

Gute Organisation

Da ich selbst zu den Helfern der Konferenz gehöre, fände ich es ein wenig albern, nur zu schreiben wie schön und toll es auf der Konferenz war. Nichtsdestotrotz muss ich unterm Strich sagen, dass ich die startconference gelungen fand und insbesondere die Organisation ein gutes Stück besser war als bei der Premiere 2009. Es gab so gut wie keine Kinderkrankheiten mehr. Das WLAN funktionierte nahezu überall, Essen gab es reichlich (nächstes Mal unbedingt eine Tupperschüssel mitbringen!), die alkoholfreien Getränke reichten bis zuletzt, es war genügend Zeit zum Networken vorhanden und die Raumaufteilung klappte besser (wenn auch nicht perfekt).

Sprecher: weniger ist mehr!

Neben der Vernetzung sind natürlich die Vorträge das wichtigste an so einer Konferenz. Diese fand ich leider in ihrer Qualität sehr stark schwankend. Auf die schlechten will ich nicht eingehen, sondern nur die besten küren: „Gold“ geht an den Vortrag von Shelley Bernstein über das Brooklyn Museum, „Silber“ an Antonia Wach, Johannes Lachermaier und Anna Kleeblatt für ihren Bericht über die Bayerische Staatsoper und „Bronze“ teilen sich Marc van Bree, der über das strategische Gerüst von Social Media referiert hat, und Nicole Simon, die über interne Workflows gesprochen hat. Sinnvoll wäre es gewesen, die Vorträge in „Anfänger“, „Fortgeschrittene“ und „Profis“ zu gliedern. Ein paar Vorträge haben mit absoluten Basics begonnen, bei denen ich gerne die „Fast Forward“-Taste gedrückt hätte. Das Problem ist ja, dass man in so einem Moment nicht weiß, ob es noch besser wird oder ob man gleich zu einem anderen Vortrag wechseln soll. Die Auswahl an Vorträgen war riesig – vielleicht sogar zu groß – und dann ist das natürlich doppelt ärgerlich. Denn man hat ja nicht nur einen schlechten angehört, sondern wahrscheinlich auch einen guten verpasst. Best Practice Vorträge können sehr nützlich sein (siehe Bayerische Staatsoper), dürfen aber keine reine Werbeveranstaltung sein (wie im Fall von…). Zumal der Schuss ohnehin nach hinten losgeht. Denn wer auf einer „Web 2.0“-Konferenz einen „Werbung 1.0“-Vortrag hält, der hat nichts von Web 2.0 verstanden und letztlich Anti-Werbung für sich und sein Unternehmen gemacht.

Schwierige Schwerpunkte

Die inhaltlichen Schwerpunkte der Konferenz lagen dieses Jahr auf Mobile Web sowie Geschäftsmodellen im Web 2.0. Spannend sind beide Bereiche, gleichzeitig sind sie beide noch sehr jung und unzureichend wissenschaftlich untersucht. Die Frage etwa „Rechnet sich Social Media?“ bzw. die Gegenfrage „Was kostet es, Social Media nicht zu benutzen?“ ist deshalb kaum analysiert, weil sie derzeit kaum analysierbar ist. Selbst das Vorzeigeprojekt der Duisburger Philharmoniker dacapo kann nur schwerlich einen direkten Zusammenhang zwischen seinen Social Media Aktivitäten und seinen Kartenverkäufen herstellen. Kerstin Hoffmann, deren Vortrag ich leider nicht persönlich gesehen habe, beschreibt dieses Problem auf ihren Folien sehr gut. Fazit: Wir tappen leider noch im Dunkeln. Mein Resümee in Sachen Mobile Web fällt ähnlich aus. Markus Kucborski hat in seinem Vortrag versucht zu erklären, warum das mobile Internet Social Media verändern wird. Mag ja sein, dass er mit seiner These recht behält, aber vielmehr als ein Blick in die Glaskugel war das leider nicht. So habe ich zu den Schwerpunkten der Konferenz leider nur wenig Neues erfahren. Und was wird es nächstes Jahr geben? Das Thema „Unternehmenskultur“ steht schon seit längerer Zeit auf der Agenda. Eine Vorlage könnte auch der ted-Vortrag von Chris Anderson über die Veränderungen von Kultur durch das Internet liefern. We’ll see…

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Autor: Axel Kopp

Axel Kopp, Jahrgang 1982, Social Media Manager und Online-Marketing-Berater, ursprünglich Kulturmanager (M.A.) mit Schwerpunkt Online-Marketing

Dieser Beitrag hat 10 Kommentare

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    Christian Henner-Fehr

    Danke für Deinen Rückblick. Ich sehe das so ähnlich wie Du. Die Auswahl an Vorträgen war auch in meinen Augen zu groß, allerdings löst Du das Qualitätsproblem nicht dadurch, dass Du z.B. nur halb so viele Sprecher einlädst. Auch bei nur drei parallel laufenden Veranstaltungen besteht die Gefahr, in einem schlechten Vortrag zu sitzen und einen guten zu verpassen. Nur die Wege sind unter Umständen beim Wechseln kürzer. 😉

    Die Idee, die Vorträge zu kennzeichnen, damit klar ist, ob „Anfänger“ oder „Profis“ angesprochen werden, ist grundsätzlich klug, nur funktioniert sie in der Praxis leider kaum. Ursprünglich bestand die Idee, den Schwierigkeitsgrad im Programm wie bei einer Skiabfahrt farbig darzustellen. Letzten Endes haben wir dann aber doch die thematische Unterscheidung gewählt.

    Außerdem sehe ich das Problem, dass die Unterscheidung zwischen basic und advanced nicht immer so eindeutig ist. Das Thema Mobile Web ist, wie Du richtig schreibst, noch so in den Kinderschuhen, dass eine Unterscheidung nicht sinnvoll wäre. Hier ist das Problem das Wissen um Fachbegriffe. Aber soll ich die, die sich noch nicht so auskennen, dann aussperren? Das würde unseren Intentionen als Veranstalter widersprechen.

    Im Idealfall ist jeder Vortragende so flexibel, dass er sich auf sein Publikum einstellt, was mit den Folien zugegebenerweise nicht so ganz einfach ist.

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    Sebastian Hartmann

    Hallo Axel,

    ich finde viele Punkte deines Kommentars gut: Das Unterscheiden in verschiedene Schwierigkeitsstufen ist klasse, sofern es dann auch funktioniert.. müsste man austesten, denn es liegt am Ende ja immer dann am Vortragenden und am Zuhörer. Würde so zum Beispiel meinen Vortrag (Neanderthal Museum) eher als Basic einstufen, da ich zeigen wollte wie wir ins Web2.0 gestartet sind. Auf der anderen Seite gibt es vielleicht Museen, deren Konzept noch nicht erstellt ist (obwohl schon online) oder verbesserungswürdig ist und für die es vielleicht auch ein sehenswerter Vortrag gewesen wäre, obwohl schon Grundlagenwissen vorhanden ist. Also: Irgendwie doch nicht so einfach, aber Austestungswürdig. Schauen wir mal, was die stART11 bringt 🙂

    Ansonsten: Orga –> d’accord 🙂
    Gold für Shelley –> d’accord!!!
    Offline-Networking –> d’accord!

    Auch an der Stelle nochmal Lob an alle Organisatoren (inkl. dir!)

    Viele Grüße, Sebastian

    PS: Mich wüde ja schon interessieren – auch weil man ja Kritik in alle Richtungen üben darf – welchen BP-Vortrag du meinst, der Werbung1.0 war. Hoffentlich nicht meiner!?!?! Wenn ja, schreib es doch bitte 😉

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    Axel Kopp

    @Christian: Zur Qualitätsproblematik würde ich sagen „jein“. Einerseits geb ich dir Recht, weil sich durch weniger Quantität nicht automatisch die Qualität erhöht, andererseits denke ich, dass man bei weniger Vorträgen sich vielleicht intensiver mit den einzelnen Sprechern hätte auseinandersetzen können.

    @Christian & Sebastian: Was die Sache mit den „Anfängern/Profi“ anbelangt, wieder „jein“. Ein Best Practice eignet sich für Anfänger wie Profis gleichermaßen, da stimme ich mit euch völlig über ein, aber Vorträge, die mit der Entwicklung des Internets beginnen, muss ich mir nicht mehr angehört haben. Für Newbies ist sowas wichtig, wenn nicht sogar elementar, damit sie die Web 2.0 Philosophie verstehen, aber mich langweilt das.

    @Sebastian: Dich habe ich nicht gemeint! Schon allein deshalb nicht, weil ich deinen Vortrag gar nicht gesehen hab. Insofern hattest du auch keine Chance, eine „Medaille“ von mir zu bekommen 😉

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    Sebastian Hartmann

    Ach so, aber das konnte ich ja nicht wissen 😉 Hatte nicht so den Überblick, wer alles da ist 😉

    Aber war gar nicht auf ne Medaille aus, nur sicher gehen, dass ich nicht die Goldene Social Media Himbeere bekommen hab 😉

    Viee Grüße, Sebastian

    PS: Puhhh, Glück gehabt 😉

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    Christian Henner-Fehr

    @Axel: ob die Beschäftigung mit den Sprechern im Vorfeld viel bringt, vermag ich nicht zu beurteilen. Ich setze da eher auf Erfahrungen aus der Vergangenheit: wer bei den letzten beiden stARTkonferenzen immer gut war, wird das mit großer Wahrscheinlichkeit auch beim dritten Mal sein. Kenne ich jemanden nicht, werden mich vor allem die Inhalte ansprechen, die aber nicht unbedingt etwas über die Qualität des Vortrags verraten.

    Auf der anderen Seite kann das ja auch dazu beitragen, einen ganz tollen Vortrag zu hören, den ich mir gar nicht erwartet hätte. 😉

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    Annette Schwindt

    Interessante Diskussion, zu der ich gern was aus Sprecher-Perspektive ergänzen möchte: der Sprecher weiß nämlich auch nicht, welchen Kenntnisstand sein Publikum hat. Und selbst, wenn man in Anfänger, Fortgeschrittene etc. aufteilt: wer macht fest, wo ein Anfänger aufhört und ein Fortgeschrittener anfängt?
    Für mich (die ich ja auch noch virtuell vorgetragen habe) war das sehr sehr schwer einzuschätzen…

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    Axel Kopp

    @Christian: Ich geb ja zu, rhetorisch gute Sprecher mit interessanten Inhalten zu finden, ist nicht einfach. Wie du schon sagst, kann man aber anhand bisheriger Vorträge feststellen, ob jemand was kann. Auf alte Hasen wie Kerstin Hoffmann oder Nicole Simon ist halt immer Verlass. Bei den Unbekannten wird’s schwieriger. Die müssen sich m.E. durch ihr Exposé beweisen. Ich hab im Vorfeld schon ein paar schlampige Dinger gelesen. Keine Struktur, vage Formulierungen, Rechtschreibfehler etc. P.s. Am Institut für Kulturmanagement in LuBu gibt’s deshalb ja die „Regeln zur formalen Gestaltung schriftlicher Arbeiten“ 😉

    @Annette: Im Vortrag selbst hast du wenig Chancen, auf den Kenntnisstand der Teilnehmer einzugehen, da stimm ich dir zu. Aber wenn das „Briefing“ lautet „Halte einen Vortrag für Marketingchefs, die nicht auf Facebook registriert sind“, dann wirst du doch was anderes erzählen, als wenn du die Vorgabe bekommst „Halte einen Vortrag für junge Marketingmitarbeiter, die mehrmals am Tag Facebook privat nutzen und jetzt für ihre Einrichtung eine Seite erstellen und betreiben sollen“, oder?

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    Jan Bergmann

    Vielleicht ist es nicht unbedingt möglich alle Vorträge im Vorfeld nach Niveau/Kenntnisstand zu gliedern, aber zumindest die absoluten Grundlagenvorträge/-workshops könnten entsprechend gekennzeichnet werden. Beispielsweise ließe sich ein Workshop, der erklärt, was Follower sind und wie man Twittert, doch relativ eindeutig in die Grundlagenkategorie einordnen.

    Die positiven Stimmen zur stART10 kann ich aber nur bekräftigen. Man muss sich zwar damit abfinden, dass es (bisher) keine ultimative Web2.0 Musterlösung gibt, aber konnte mit vielen Anregungen und Fragen, die man sich selbst stellen sollte, zurück in den Kulturbetrieb gehen. 🙂

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    Christian Henner-Fehr

    @Jan Bergmann: die Grundlagenworkshops sind für mich nicht so sehr das Problem, sondern die, die dann den Ansprüchen nicht gerecht werden, weil sie sich – vielleicht sogar entgegen der Ankündigung – mit den Basics beschäftigen. Das kann aber auch und da spreche ich aus eigener Erfahrung, dem Sprecher/ der Sprecherin ungewollt passieren. Wenn zu Beginn zwei „Anfängerfragen“ kommen, muss ich mir sehr gut überlegen, ob ich die jetzt abwürge, weil ich eigentlich anderes geplant hatte. Es kann in so einem Fall leicht zu einer Solidarisierung der Zuhörer kommen und dann ist alles falsch, was man macht. 🙂

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    Agus

    Fange ich mal mit meinem Ziel an:Kulturschaffende wedren gerecht ffcr ihre Arbeit entlohnt ohne dass der Konsument in seinen Rechten eingeschre4nkt wird. Kunst und Kultur sind und sollen nicht verplichtend kostenlos sein.Ich werde mich sicher nicht beschweren, wenn jemand seine Werke als CC verf6ffentlicht, aber ich werde auch weiterhin ffcr Kulturgfcter bezahlen, die mir gut gefallen und die ich besitzen will. Und sei es nur aus Eigennutz, weil ich will, dass die Kfcnstler weiter so gute Arbeit machen. Die Rechte der Nutzer sind leider momentan in Anffchrungszeichen zu setzen, da sie bisher nicht existieren, immer weiter beschre4nkt wedren, bzw nicht ffcr digitale Waren existieren.Wenn ich etwas kaufe, dann habe ich auch das Recht es hinterher gebraucht weiterzuverkaufen. Das ist bei Bfcchern, Autos, den alten LPs von meinen Eltern so, warum ist das nicht auch so ffcr digitale Waren? Ja klar, man darf es nur ein Mal weiterverkaufen, das ist eine andere Geschichte.Gleiches gilt ffcr das Ausleihen bzw. Verleihen. Beides ist effektiv unmf6glich geworden. Das ist nicht nur ffcr mich doof, sondern auch ffcr den Kfcnstler, da so der wichtige Punkt der Mund-zu-Mund Werbung wegfe4llt. Wenn ich meinen Freunden das tolle Buch, welches ich grade gelesen habe nicht ausleihen kann, dann wird es wahrscheinlich nur eine Minderheit von ihnen lesen (und sich evtl weitere Bfccher von dem Autor kaufen) Das ist ein Problem und meine naive Zielsetzung. Da jetzt eine Lf6sung zu finden ist ganz schf6n schwer, denn es wird immer Leute geben, die von ihren Mitmenschen das schlechteste Erwarten und es wird auch immer Leute geben, die diese Vorurteile beste4tigen. Das ist aber noch lange kein Grund eine ganze Generation dazu zu verdammen sich in die Illegalite4t zu bewegen um sich mit Kultur zu versorgen oder um selbst kfcnstlerisch te4tig zu wedren.

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